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    Bei der Vorbereitung meines Beitrages über die erste Gesamtaufnahme der Oper Faust (1908) in meinem anderen Blog fiel mir eine Mappe in die Hand, in der man im Jahre 1907 16 Bilder im Schwarz-Weiss-Fotodruck im DIN-A 5-Format mit Bildern von Künstlern der Berliner Oper für 1,60 Mark erwerben konnte (eine Schallplatte kostete damals ca. 2 bis 7 Mark). Diese Mappe, die im Leporello-Verlag erschien, der wohl eigens hierzu gegründet wurde, möchte ich nun vorstellen.

    Umschlag

    Sie lässt sich nach 4 Seiten aufklappen und gibt dann die Bilder frei.




    Das erste Blatt ist ein Einleger mit einem Vorwort, das kundtut, dass weitere Publikationen mit Künstlern der Berliner Bühnen geplant sind und dass ein Teil der Einnahmen dem Pensionsfonds der Bühnengenossenschaft zugute kommt.


    Ich habe diese Mappe schon mehrfach angeboten gesehen, und bei zvab.com sind z.Zt. mehrere Exemplare zu haben (ab 10 EUR ist man dabei!), Von anderen Publikationen aus diesem Verlag habe ich aber noch nie etwas gesehen oder gehört. Ich gehe zwar davon aus, dass der angekündigte zweite Teil mit Bildern von Schauspielern ebenfalls erschienen ist, es scheint aber kein kommerzieller Erfolg gewesen zu sein.

    Das Besondere an dieser Mappe ist, dass auf den Rückseiten der Bilder im Faksimile die Handschriften der Sängerinnen und Sänger mit ihrem (Lebens-?) Motto und ihrer Unterschrift abgedruckt sind. So bekommt man direkt eine Handschriftenprobe und ein Autogramm mitgeliefert.

    Die Bilder haben auf den Blättern einen breiten weißen Rand, den ich hier mit wiedergebe, Auf der Rückseite nehmen die Unterschriften bei manchen Künstlern wenig Raum ein, so dass ich sie meistens vergrößert bzw. aus dem ganzen Blatt nur als Ausschnitt kopiert habe.


    Antoinetta dell'Era, Primaballerina
    Antoinetta dell'Era (1861-1945) war die erste Tänzerin des Balletts der Oper.Sie hat 1892 in St.Petersburg bei der Uraufführung des Balletts "Nußknacker" von Tschaikowsky mitgewirkt, war aber bis auf acht Jahre Unterbrechung mit Tätigkeit in Russland (1886-94) von 1879 bis 1909 an der Berliner Oper Primaballerina. Ihr Motto stammt aus einem italienischen Sprichwort, was angeblich auf Dante Alighieri zurückgeht: "Far bene, e lasciar dir (le genti)". Es heißt übersetzt so viel wie: Mach deine Sache gut, und lass die Leute reden (und störe dich nicht daran).







    Die nächste ist Emmy Destinn (1878-1930) , die mit einem Foto aus der Oper Mignon vertreten ist. Sie wirkt auf Fotos oft leicht unintelligent, vielleicht weil ihre Augen recht eng zusammenstanden, muss aber eine leidenschaftliche Darstellerin und Schauspielerin ihrer Rollen gewesen sein. Ihre Portraits wie auch dieses zeigen keine Scheu vor starkem Ausdruck. Ihr Foto ist das einzige in der Mappe, bei dem keine Signatur des Künstlers auf der Rückseite ist.


    Emmy Destinn als Mignon



    Marie Dietrich (1865-1939) war von 1891 bis 1912, dem Jahr ihres Abschieds von der Bühne, bei der Berliner Hofoper tätig, wo sie auf Koloraturollen und das Soubrettenfach abonniert war.


    Marie Dietrich als Marie im Waffenschmied

    Ihr Motto lautet: "Gunst ist unwichtiger denn - Kunst."




    Geraldine Farrar als Julia


    Geraldine Farrar (1882-1967) war ein echter Star. Wenn man Sängerpostkarten sammelt, wird man finden, dass sie vermutlich die zu ihrer Zeit meistfotografierte Frau war - es gibt Unmengen von Ansichtskarten von ihr. Sie wurde in den USA geboren, hatte aber auch Unterricht bei Lilli Lehmann und debütiert mit 19 als Margarete in Faust (1901). Ihre Traviata von 1902 war ebenfalls ein sensationeller Erfolg, und ganz Berlin lag ihr zu Füßen, ebenso wie die Familie des Kronprinzen, mit der sie eien Freundschaft pflegte. 1906 entschwebte sie an die Met, wo sie ebenfalls eine treue und fanatische Fangemeinde, vor allem unter jungen Mädchen, hatte. Heute würde man sagen, dass sie ein Popstar war und ein Teenie-Idol. Nach 1906 gastierte sie nur noch einige wenige Male in Berlin.

    Ihr Motto passt zu einer jungen Frau, der die Welt zu Füßen liegt. Es sind einige Zeilen aus der Gavotte aus der Oper Manon von Massenet (Frz.: Obeissons, quand leur voix appelle):

    Nützet die schönen jungen Tage,
    bald bleibt uns nur Erinnerung.
    Liebt, lacht, verscheuchet jede Klage
    und denkt - wir sind nur einmal jung!




    Geraldine Farrar zitiert aus dem deutschen Libretto der Oper Manon







    Marie Goetze (1865-1922) hatte eine Altstimme und war von 1892 bis 1920 die Hauptvertreterin des Alt- und Mezzosopran-Faches an der Berliner Hofoper. Neben ihrer Tätigkeit in Berlin fand sie noch Zeit für ausgedehnte Gastspielreisen. Ihr Motto lautet "Der Gottheit Wege führen uns im Dunkeln, preist keinen selig vor dem letzten Tage." Ob dies ein Zitat ist und woraus, konnte mir Google nicht sagen. Vielleicht hat sie es selbst so formuliert.






    "Im Tone klar, im Ausdruck wahr!" - das Motto von Emilie Herzog

    Emilie Herzog als Eva in den Meistersingern

    Emilie Herzog (1859-1923) war seit 1889 an der Berliner Hofoper und wirkte dort bis 1910, bevor sie nach Zürich ging und  Pädagogin wurde. Ihr Fach könnte man als jugendlichen Koloratursopran beschreiben. Sie sang die Königin der Nacht, aber auch die Eva in den Meistersingern. Bereits 1883 sang sie in Bayreuth eine der Blumen in Parsifal, genauso wie auch 1884 und 1891, wo ebenfalls noch der Hirte im Tannhäuser dazukam. Solche kleinen Rollen musste man sich in Bayreuth durch eine wagnerianische Gesinnung und Unterordnung unter den pseudoreligiösen Wagnerkult verdienen. Ihr Motto "Im Tone klar, im Ausdruck wahr!" hätte auch von Cosima Wagner stammen können. Marie Dietrich übrigens (weiter oben) hatte ebenfalls die Ehre, 1888 eine der Soloblumen in Bayreuth singen zu dürfen...




    Ida Hiedler als Elsa in Lohengrin


    Ida Hiedler (1867-1932) wurde 1887 direkt vom Berliner Konservatorium an die Oper engagiert und debütierte mit der Margarethe in Faust. 1908 verabschiedete sie sich mit der Sieglinde von der Opernbühne und trat nur noch gelegentlich in Konzerten auf. Ihre Hauptpartien waren die etwas leichteren Wagner-Heroinen wie Elsa, Sieglinde, Venus, Elisabeth, aber auch die Leonore in Fidelio, Rezia on Oberon und Leonore im Troubadour. Sie ist von allen Sängern hier auf Schallplatten am schlechtesten dokumentiert. Sie hat lediglich drei sehr seltene Columbia-Platten von 1904 hinterlassen, die ich bisher nur vom Hörensagen kenne. ("Einsam in trüben Tagen" (40472) und "Euch Lüften" (40474) aus Lohengrin sowie die Hallenarie aus Tannhäuser (40520))

    Als Motto wählt sie ein Schiller-Zitat: "Auf Dinge, die nicht mehr zu ändern sind, soll auch kein Blick zurück mehr fallen!"



    Ida Hiedlers Motto



    Therese Rothhauser als Carmen

    Therese Rothhauser (1865-1943) war ungarische Jüdin und im wilhelminischen Berlin trotzdem sehr erfolgreich. Sie kam 1892 an die Berliner Oper und sang dort mehr als 25 Jahre. Ihre Paraderollen waren Mozartpartien, aber auch die Carmen und die Amneris. 1907 sang sie in der deutschen Erstaufführung von "Madame Butterfly" die Suzuki, 1911 in der Berliner Rosenkavalier-Premiere (mit der entschärften Textfassung für Kaiser Wilhelm) die Annina. Auch von ihr gibt es kaum Aufnahmen. Ein Titel auf Schallplatte Grammophon, nämlich ein Duett mit Paul Knüpfer aus dem Rosenkavalier, ist noch zu finden. Ferner gibt es noch fünf frühe Columbia-Aufnahmen, die so selten sind, dass von ihnen teilweise noch nicht einmal die Bestellnummern bekannt sind.

    Ihr Motto passt zum wilhelminischen Berlin: "Immer vorwärts, nie zurück. Mein Prinzip ist auch mein Glück!" Das Zitat haben auch andere Zeitgenossen als Mottospruch genutzt - von wem es ursprünglich stammt, konnte ich nicht herausfinden.

    Gedankt wurde ihr das Engagement für ihr Publikum nicht: im Alter von 78 Jahren wurde sie in das Ghetto von Theresienstadt verschleppt und dort ermordet.






    Ida von Scheele-Müller als Dalila

    Ida von Scheele-Müller (1862-1933) war ein Alt und wirkte von 1895 bis 1930 in Berlin, wenn auch das Sängerlexikon nahelegt, dass sie von 1898-1905 hauptsächlich in Bremen sang. Ihr Motto ist genauso himmelstürmend-heroisch und von sich selbst überzeugt wie das vorige: "Aufwärts! Vorwärts!"






    Ida von Scheele Müller

    Rudolf Berger (1874-1915) sang von 1898 bis 1908 als Heldenbariton in Berlin und dann, nach einer Umschulung, noch einmal von 1908 bis 1913 als Heldentenor. 1913 heiratete er die ameikanische Sängerin Marie Rappold und ging an die Met nach New York, wo er 41-jährig, ziemlich genau vor 100 Jahren, am 27.II.1915 starb. (siehe hier)  Zur Zeit des Fotos war er noch Bariton, und so findet man ihn hier als Telramund anstatt als Lohengrin.

    Rudolf Berger als Telramund


    Sein Motto ist etwas minimalistisch: "Stets glücklich ist der, welcher nichts erwartet, denn er wird nie getäuscht werden!" Woher dieses Geflügelte Wort stammt, konnte ich nicht herausfinden.





    Rudolf Bergers Motto

    Wilhelm Grüning als Rienzi
    Wilhelm Grüning (1858-1942) hatte die Rolle inne, die Rudolf Berger nach 1908 gerne gehabt hätte: der typische Heldentenor Wagner'scher Prägung. Er kam 1898 uind blieb bis 1911. Die Berliner Oper hatte mit ihm einen erfahrenen und guten Mann gewonnen, der schon Bayreuth-Erfahrung hatte. Bei den Bayreuther Festspielen trat er im einzelnen 1889, 1891, 1892 und 1897 als Parsifal, 1892 und 1894 als Tannhäuser, 1897 als Siegmund sowie 1896 und 1897 als Siegfried auf. Seine Darstellung des Rienzi (der nicht in Bayreuth gegeben wurde) galt zu seiner Zeit als unvergleichlich. Sein Motto "Ars et labor" (Kunst und Arbeit) stellt ihn als einen hart arbeitenden Künstler dar.


    Wilhelm Grüning - Wiedergabe der gesamten Seite


    Baptist Hoffmann als Fliegender Holländer

    Baptist Hoffmann (1864-1937) gehörte von 1897 bis 1915 der Berliner Hofoper an. Der Fliegende Holländer war eine seiner besten Rollen. Als sein Motto wählte er die Stelle kurz vor dem Finale, wo sich der Holländer Senta endgültig offenbart. Das Sängerlexikon bescheinigt ihm eine "groß dimensionierte Baritonstimme, deren dramatische Ausdruckskraft ihre bedeutendsten Aufgaben im Wagner-Repertoire fand."

    Befrag' die Meere aller Zonen, befrag' 
    den Seemann, der den Ozean durchstrich, 
    er kennt dies Schiff, das Schrecken aller Frommen: 
    den fliegenden Holländer nennt man mich.


    Baptist Hoffmann, Zitat aus Wagners Holländer

    Walther Kirchhoff als Faust uin Margarethe
    Walther Kirchhoff (1879 - 1951) hatte 1906 gerade als Faust an der Berliner Hofoper debütiert und noch ein große Karriere, namentlich als Wagnertenor, vor sich. Bereits 1914 sang er in der Erstaufführung des Parsifal (nach dem gesetzlichen Ablauf der von Wagner auferlegten Sperrfrist der Aufführung des Werkes ausserhalb von Bayreuth) die Titelrolle in Berlin, aber auch in Bayreuth. Im 1. Weltkrieg meldete er sich freiwillig und wurde Adjutant des deutschen Kronprinzen. Später kehrte er noch 1923/24 und 1928/29 an die dann so genannte Staatsoper zurück, gastierte aber auch international. Sein Motto: "Kunst ist Religion" ist einem Parsifal würdig.







    Paul Knüpfer (1865-1920) war seit 1898 bis 1919 der unangefochtene erste Bass an der Berliner Hofoper. Er starb mit 55 Jahren an einer "unheilbaren Krankheit". Er ist ein dankbares Objekt für Schallplattensammler, da er sehr viele Aufnahmen hinterlassen hat. Sein Motto lautet: "Erinnerung ist die beste Freundin des Theater(s)" 






    Ernst Kraus (1863-1941) gab 1884 sein erstes Gastspiel an der Berliner Hofoper und gehörte ihr von 1898 bis 1924 als erster Heldentenor an. Er war sozusagen der Vorgänger von Walther Kirchhoff und galt als internationale Autorität in Sachen Wagner-Tenorgesang. In den Jahren 1899-1909 war er in Bayreuth verpflichtet und hatte große Erfolge als Stolzing, Siegmund und Siegfried sowie als Erik im Holländer. Er war ein herausragender Tenor seiner Zeit und hat zum Glück viele Schallplatten hinterlassen. Auf seinem Foto als Tristan sieht er ernst und erschüttert aus. Ganz prosaisch gibt er kein Motto an, sondern beschreibt lediglich sein Bild: "Ernst Kraus als Tristan in Tristan und Isolde"


    Ernst Kraus, Wiedergabe der gesamten Seite

    Als letzter Künstler und gleichzeitig ältester Künstler mit der Nummer 16 in dieser Sammlung taucht hier Robert Philipp (1852-1933) auf. Er war ein eher lyrischer Tenor (auch wenn er einmal Siegmunds Liebeslied aus der Walküre aufnahm), und sein Bild als Don Ottavio aus Don Giovanni passt zu seiner Position als lyrischer Tenor der Berliner Oper. Er war zuerst Schauspieler und Operettentenor und wurde vom damaligen Intendanten der Oper, Graf Hochberg, 1890 als Don Jose in Carmen verpflichtet, mit dessen Rolle er debütierte. Er blieb tatsächlich 40 Jahre bis 1930 (da war er 78) an der Berliner Oper, auch wenn er zuletzt nur noch kleine Rollen sang.

    Sein Motto ist recht prosaisch und volkstümlich: "Ohn' Glück und Gunst ist Kunst umsunst."



    Robert Philipp in Don Giovanni



    Robert Philipp - Motto



    Zuletzt möchte ich noch den 17. Künstler vorstellen, Es ist der Bassisit Carl Nebe (1858-1908), der als Leporello auf dem Titelbild abgebildet ist.



    Carl Nebe als Leporello



    Hier sei das Sängerlexikon einmal ausführlich zitiert:


    Nebe, Carl, Baß-Bariton, * 3.1.1858 Braunschweig, † 7.2.1908 Berlin; Sohn des Schauspielers Eduard Nebe (1820-88), der am Hoftheater von Karlsruhe wirkte. Er war Schüler von Joseph Staudigl, Wilhelm Sedlmayer und Felix Mottl und debütierte 1878 am Hoftheater von Wiesbaden, dem er bis 1881 angehörte. 1881-90 war er am Hoftheater von Dessau engagiert, 1890-1900 am Hoftheater von Karlsruhe. Am 6. und 7.12.1890 wirkte er in Karlsruhe bei der ersten Gesamtaufführung des Opernwerks »Les Troyens« von Berlioz mit, bereits 1897 in der Uraufführung von »Das Unmöglichste von allem« von A. Urspruch. 1900 folgte er einem Ruf an die Berliner Hofoper; man schätzte ihn hier zumal als köstlichen Baß- Buffo, aber auch als Alberich im Ring-Zyklus. Am 13.12.1904 wirkte er an der Berliner Hofoper in der Uraufführung der Oper »Der Roland von Berlin« von Leoncavallo mit, bereits am 28.1.1902 in der von »Heilmar, der Narr« von Wilhelm Kienzl und am 9.4.1902 in »Der Wald« von Mrs Ethel Smyth. Er gab Gastspiele an der Münchner Hofoper (1894-1902), am Opernhaus von Leipzig (1885), am Hoftheater von Stuttgart (dort seit 1889 sehr oft aufgetreten), am Stadttheater von Zürich (1900), an der Berliner Kroll-Oper (1888) und am Opernhaus von Köln (1905). Bei den Bayreuther Festspielen von 1892 sang er den Beckmesser in den »Meistersingern«, seit 1896 mehrmals den Alberich im Nibelungenring: Er gastierte an der Covent Garden Oper in London, in Brüssel und Amsterdam und bei den Festspielen von Wiesbaden. Er starb plötzlich nach einer fieberhaften Grippe-Erkrankung.

    Entgegen früheren Annahmen existieren von dem Bassisten der Berliner Hofoper Carl Nebe vermutlich überhaupt keine Schallplatten. Sämtliche unter dem Namen Carl Nebe besungenen Platten oder Zylinder stammen von dem gleichnamigen Bassisten Carl Nebe (* 1868), der in Colmar, Metz, Düsseldorf und Kassel engagiert war, hauptsächlich aber als Konzertsänger auftrat. Er gründete um 1908 das Nebe-Quartett, das aus August Bockmann (1. Tenor), Max Kuttner (2. Tenor), Reinhold Niemeier (Bariton) und ihm als Bassisten bestand. Von diesem Sänger (und dem Nebe-Quartett) sind zahllose Schallplattenaufnahmen auf folgenden Marken vorhanden: Zonophone (Berlin, 1901, 1904-06), G & T (Berlin, 1903-05), Columbia (Berlin, 1904), Favorit (Berlin, 1905-06), Odeon (Berlin, 1905), Homochord, Kalliope, Janus, Parlophon, Polyphon, Star, Pathé, Arti-Homochord und Edison-Zylinder. Einige Zonophone-Platten sind unter dem Namen Karl Rapp erschienen, einige Edison-Zylinder unter dem Namen Karl Hoffmann.

    [Nachtrag] Nebe, Carl; 1897 nahm er am Hoftheater Karlsruhe an der (posthumen) Uraufführung von Franz Schuberts Oper »Fierrabras« teil.

    [Lexikon: Nebe, Carl. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 17499 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 2494 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    Ganz am Ende seien noch die Vorschau auf die zweite Ausgabe mit Mitgliedern des Berliner Schauspielhauses (von der ich nicht weiß, ob sie tatsächlich erschienen ist) und eine interessante Werbung wiedergegeben.


    Vorschau auf die zweite Lieferung mit Bildnissen von Berliner Schauspielern

    Werbung

    Bei der Anzeige in der Mappe handelt es sich um Werbung für Heimtrainer zum Abnehmen. Ähnliche Geräte gibt es heute noch wie vor 108 Jahren. Interessant ist, das das Gedicht zu "Bender auf dem Reitapparat Velotrab" eine Berliner Revue zitiert, die sehr erfolgreich war und im Jahre 1906 uraufgeführte wurde: "Und der Teufel lacht dazu" des Librettisten und Hausdichters des Berliner "Metropol" Julius Freund (1862-1914).


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    Fritz Soot 1926


    In meinem anderen Blog  habe ich Aufnahmen von Fritz Soot veröffentlicht. Hier kommen nun als Ergänzung noch zwei Texte über Soot. Der erste stammt aus dem Berliner Musik-Jahrbuch 1926, herausgegeben von Adolf Ebel. Ernst Schliepe schreibt über Soot von S. 77 bis 80.

    Berliner Musik-Jahrbuch 1926








    Fritz Soot. Wie man Tenor wird. Von Ernst Schliepe.


    Als Felix Mottl in Karlsruhe einmal eine szenische Aufführung der „Heiligen Elisabeth" von Liszt dirigierte, sang die kleine Partie des Knaben Ludwig ein elfjähriger Junge, der durch seine schöne Stimme allgemein auffiel. Der Kleine hieß Fritz Soot. Heute ist er Kammersänger und erster Heldentenor an der Preußischen Staatsoper.

    Man ist geneigt, hier das bekannte Sprichwort zu zitieren: „Was ein Häkchen werden will, krümmt sich bei Zeiten." Aber es stimmt nicht so ganz. Der Studiengang eines großen Sängers verläuft kei­neswegs immer so gradlinig und zielstrebig, wie manch einer sich das vorstellt, und ebensowenig ist immer von Anfang an das große Stimmmaterial vorhanden, das nur so nach Ausbildung schreit. Der Jüngling, der als Knabe so erfolgreich die weltbedeutenden Bretter betreten hatte, fühlte wohl den Trieb zum Singen in sich, besaß aber nach der (ungewöhnlich spät erfolgten) Mutation nur ein zartes Organ, aus dem nach der landläufigen Ansicht kein Kapital zu schlagen war. So wurde er — da es ihn doch einmal zur Musik hinzog — Musikalienhändler. Allein die frühe Berührung mit der Bühne mußte es ihm doch wohl angetan haben; es drängte ihn, sich irgendwie theatralisch zu betätigen. Wozu gibt es drama­tische Dilettantenvereine? Er findet Aufnahme in einem solchen und ist bald ein beliebtes Mitglied, da es sich herausstellt, daß er unzweifelhaft „Talent" hat. Der Karlsruher Dramaturg und Re­gisseur Kilian nimmt sich seiner an und vermittelt es, daß der junge Mann als „richtiggehender" Schauspieler engagiert wird. Natürlich als „jugendlicher Liebhaber".

    Nun ist er in seinem Element. Sein Auftreten in Halbes „Strom" bringt ihm den ersten bedeutenden Erfolg. Bald treffen von außer­halb Engagementsanträge ein. Bei Reinhard in Berlin kommt ein Gastspiel zustande (im „Strom" mit Hedwig Wangel zusammen), später ein gleiches in Wien, an der Bühne Schlenthers. Allein in­zwischen hatte der junge Mime, der seine nun im Training befind­lichen Stimmmittel wachsen fühlte, angefangen, Gesangstunden zu nehmen; zwar bei keiner sogenannten „Größe", aber bei einer Lehrerin in Karlsruhe, die ihr Fach verstand. Überraschende Fort­schritte ließen ihn ernsthaft an eine Sängerlaufbahn denken und die Schauspielerkarriere daraufhin beenden. Den „letzten Schliff" sollte Scheidemantel in Dresden der Stimme geben.

    Da geschah etwas Unerwartetes. Es zeigte sich wieder einmal, daß ein berühmter Sänger und Gesangstheoretiker durchaus nicht auch ein guter Pädagoge sein muß. Die Scheidemantelsche Methode be­wirkte genau das Gegenteil von dem, was sie sollte: Soots Stimme ging zurück. Je mehr der Gesangsmeister versprach, desto schlim­mer wurde es. Schließlich griff der ratlose Schüler zu einer dra­stischen Selbsthilfe: er fuhr in Abständen heimlich zu seiner frühe­ren Lehrerin nach Karlsruhe und kümmerte sich im übrigen nicht mehr um Scheidemantels Vorschriften. Ein neuer Aufstieg war das Ergebnis — zur Freude des Schülers und seines völlig ahnungs­losen Lehrers, der diesen Erfolg natürlich seiner Methode zu­schrieb. Einige Zeit darauf wagte Soot es, in der Königlichen Oper zu Dresden vorzusingen; er wurde sogleich auf mehrere Jahre als lyrischer Tenor engagiert und debütierte als Tonio in der „Regi­mentstochter".

    Es folgte eine Zeit angestrengtester Arbeit; die Tenornot war groß; durchschnittlich jeden zweiten Abend mußte der junge An­fänger, der sich das Vertrauen des Generalmusikdirektors von Schuch erworben hatte, auf der Bühne stehen. Einen jähen Ab­schluß fand diese 1908 begonnene Laufbahn mit dem Ausbruch des Weltkrieges. Soot — der übrigens bereits nach drei Jahren den Titel „Kammersänger" erhalten hatte — eilte als Kriegsfreiwilliger zu den Fahnen. Ohne reklamiert zu werden, blieb er bis zum Ende des großen Ringens im Felde, nicht etwa als „Sänger" zur Unter­haltung der Kameraden, sondern als Nachrichtenoffizier, dem man den Heldentenor nicht ansah. Erst im letzten Kriegsjahr fand sich für ihn Gelegenheit, eine „Theaterabteilung" zu leiten. Nach Frie­densschluß nahm Soot zunächst beim Landestheater in Stuttgart seinen Beruf wieder auf, bis er 1922 von dort nach Berlin ver­pflichtet wurde. Bemerkenswert ist, daß der Künstler hier noch­mals ernsthafte Gesangstudien begann, und zwar bei der (vor einem Jahr verstorbenen) Pädagogin Anna Meilin. Ihr verdankt er. wie er sagt, das Wertvollste seines Könnens.

    Fürwahr: ein langer, durch Um- und Abwege erschwerter Auf­stieg für einen Künstler, der als Kind und Jüngling die Berufung zum Sänger in sich trug und in dunklem Ahnen spürte, während die Ungunst der äußeren Verhältnisse ihm den klaren Ausblick zum Ziel versperrte. Und doch war es sein größtes Glück, daß er das Anfangskapital seiner Stimme gleich in die richtigen Hände legen konnte — gerade weil es nicht allzu groß war — und recht­zeitig die Gefahr erkannte, die seiner späteren Entwicklung drohte. Wer heute Fritz Soot singen hört, wird es nicht für möglich halten, daß dieses Organ eigentlich kein Naturgeschenk, sondern im wesent­lichen ein Kunstprodukt ist. Und doch gibt gerade diese Tatsache die Erklärung dafür ab, daß er überhaupt imstande war, das alles zu leisten, was ihm in seinen Engagements zugemutet worden ist und was man heute noch als selbstverständlich von ihm verlangt. Er hat in Dresden das gesamte lyrische und jugendliche Helden­tenorfach gesungen; in Stuttgart, wo (nach Kriegsende) der Über­gang ins Fach der „schweren" Helden — Wagner usw. — erfolgte, hatte er in zwei Jahren 20 Partien zu lernen. (Für den Tristan standen ihm z. B. nur zwei Monate zur Verfügung!) An unserer Staatsoper ist er das am meisten beschäftigte Mitglied; er singt im Durchschnitt an jedem zweiten Abend! Das will um so mehr be­deuten, als die „jugendlichen" und „schweren" Heldentenorpartien gesanglich und musikalisch wie darstellerisch die höchsten Anforde­rungen stellen und sehr anstrengend sind. Nebenher geht natürlich das Studium neuer Rollen, da die Staatsoper ja alljährlich Ur- und Erstaufführungen herausbringt. Unter solcher Berufsanspannung, die einer dauernden Höchstleistung gleichkommt, wäre eine weniger gesunde oder technisch falsch behandelte Stimme längst zu Schaden gekommen.

    Allen diesen Belastungsproben jedoch hat das Organ mit erstaun­licher Ausdauer standgehalten. Ohne Zweifel gehört es zu dem For­mat der großen, voluminösen Stimmen, die jeden Raum zu füllen und sich gegenüber dem Tongewoge eines stark besetzten modernen Orchesters siegreich zu behaupten vermögen — doch besitzt es neben dem Heldencharakter auch lyrische Weichheit und die (ge­rade bei Heldentenören so seltene) Fähigkeit, in der Höhe tragende und frei ansprechende Pianotöne herzugeben. Ein Erfordernis, das für Partien wie Lohengrin, Radames, Palestrina von großer Wich­tigkeit ist. Wer hingegen Gelegenheit gehabt hat, Soot etwa als „Othello" zu sehen, wird über die stimmliche Kraftleistung nicht minder erstaunt gewesen sein wie über die fesselnde Darstellungs­kunst, die alle Gefühlsskalen und Temperamentsäußerungen von liebender Zärtlichkeit bis zu tierischer Wildheit mit naturalistischer Treue in packendes Spiel umzusetzen weiß. Den Naturburschen und Rittergestalten Wagners wiederum eignet bei aller Natürlichkeit der Bewegung und Haltung der idealisierende Abglanz vollendeter Romantik, wie sie die musikdramatische Charakterisierung des Bayreuther Meisters erfordert. Demgemäß findet der Künstler in der Darstellung dieser Rollen wie auch aller anderen, in denen neben dem rein Musikalischen es auf das Erleben starker menschlicher Affekte und auf psychologische Entwicklung ankommt, seine will­kommensten Aufgaben.

    Der Vollständigkeit halber muß erwähnt werden, daß Soot sein vielseitiges Können auch im Konzertsaal in eigenpersönlicher Weise zu verwerten weiß Er gehört nicht zu den Tenören, die es sich bequem machen und zeitlebens ihre Konzertprogramme mit einem halben Dutzend Opernarien und ein paar Publikumsreißern be­streiten. Er hat an seinen Liederabenden - die er vor Jahren ver­anstaltete - unter anderem die „Schöne Müllerin" von Schubert und die „Dichterliebe" von Schumann vorgetragen; er war auch einer der ersten, die sich für das Schaffen Schönbergs ein­setzten. Selbst heute noch findet man auf seinen Programmen die Namen moderner Komponisten. Auch das Gebiet des Oratoriums ist ihm nicht fremd; er hat u. a. häufig und mit Erfolg den Evan­gelisten m der „Matthäus-Passion" gesungen

    Obwohl unser Künstler seine Tätigkeit zum größten Teil der Staatsoper widmet und damit eine der stärksten Säulen des Berliner Opernwesens ist, so hat er doch wiederholt, hauptsächlich im Sommer, A u s l a n d s gastspiele absolviert; z. B. in der Schweiz, in Norwegen und England. Sein Auftreten in der Coventgarden-Oper in London war einer der größten Erfolge, die ein deutscher Künstler dort zu verzeichnen hatte. Eine besondere Sensation ge­wann dies Gastspiel übrigens dadurch, daß man ihn, weil Not am Mann war, im - Flugzeug von Köln nach London hinüberholte.

    Es ist das Los aller reinen Künstlernaturen, die nur ihrem hohen Beruf dienen, daß die Umwelt von ihnen nicht viel Aufhebens macht. Sie gewöhnt sich an ihre Gegenwart, nimmt das Bedeutende als etwas Selbstverständliches hin und verliert den Blick für das Außerordentliche. Wer es versteht, für sich raffinierte Reklame zu machen, hat es leichter, auf die Masse zu wirken. Soot verab­scheut die Reklame. Sein Wesen ist auch darin durchaus - deutsch. Daß er trotzdem den Weg zur Höhe in - allerdings schwerem -Aufstieg gefunden hat, ist der beste Beweis für ungewöhnliches Können und echtes Künstlertum.




    Fritz Soot in älteren Jahren



    Als zweites noch einen Artikel von Einhard Luther über Soot vom Cover der Preiser LP LV 143:




    Als sich die ruhmreiche Bühnenkarriere des renommierten Heldentenors Ernst Kraus zu Beginn der zwanziger Jahre ihrem Ende zuneigte, suchte die Berliner Staatsoper lange nach einem geeigneten Nachfolger. Die Wahl fiel 1922 auf den bis dahin in Stuttgart tätigen Fritz Soot.

    Eine der eigenartigsten Sängerpersönlichkeiten jener Zeit wurde damit für Berlin gewonnen. Fritz Soot, am 20. August 1878 in Neunkirchen geboren, wandte sein Interesse zunächst der Sprechbühne zu. 1901 betrat er die Bühne des Hofthea­ters in Karlsruhe; bis 1907 blieb er Mitglied des dortigen Schauspielensembles. Seine Karriere hätte mit der 1907 an­gebotenen Verpflichtung an das Burgtheater in Wien einen frühen Höhepunkt gefunden, denn er sollte als Nachfolger von Kainz engagiert werden. Soot jedoch, der damals bei dem berühmten Bariton der Dresdener und Bayreuther Bühnen, Karl Scheidemantel, Gesang studierte, lehnt den Vertrag nach Wien ab, bricht seine bisher so erfolgreiche Schauspielkar­riere ab und debütiert 1908 an der Dresdener Hofoper als Tonio in der komischen Oper „Die Regimentstochter" von Gaetano Donizetti.

    Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges umfaßt sein Reper­toire zumeist Rollen des lyrischen Tenorfaches; er wirkt am 26. Januar 1911 in der Uraufführung des „Rosenkavalier" von Richard Strauss in der Partie des italienischen Sängers mit. Eine Entwicklung zum schweren Heldenfach deutet sich je­doch schon in den letzten Jahren vor Beginn des Krieges an; Loge, Erik und Stolzing gehören schon vor dem Kriege zu Soots Repertoire.


    Fritz Soot, Foto von 1915, signiert 1919

    Als Offizier nimmt Soot am Weltkrieg teil; erst 1918 kann er seine unterbrochene Sängerlaufbahn wieder aufnehmen. In Stuttgart vollzieht er die Entwicklung zum Heldentenor. Er eignet sich die schweren Wagnerpartien an, ohne die Ge­schmeidigkeit schlanker Tongebung zu verlieren. Soot ist bis etwa Mitte der dreißiger Jahre einer der vielseitigsten und wendigsten Wagnertenöre, die das deutsche Musiktheater kennt. Als einer der intelligentesten Operndarsteller weiß er seine nicht baritonal-schwergewichtige, sondern stets elegant geführte, hell timbrierte Tenorstimme mit äußerster Virtuo­sität einzusetzen. Als Othello, Tannhäuser oder Tristan ist er schon während seines Stuttgarter Wirkens weit über Deutsch­lands Grenzen hinaus bekannt.

    Im Jahre 1921 gastiert Soot an der Wiener Staatsoper; im Sommer 1922 wird er für die in dieser Form neugegründeten Wagnerfestspiele in der Zoppoter Waldoper verpflichtet. Er singt dort alternierend mit Fritz Vogelstrom und Heinrich Knote die Titelrolle in Richard Wagners „Siegfried". Der Er­folg dieser Vorstellungen entscheidet über den künftigen Ruf der Zoppoter Waldfestspiele, die als „Bayreuth des Nordens" in die Theatergeschichte eingegangen sind.

    1922 beginnt Soot seine Tätigkeit an der Staatsoper in Berlin. 1924 wird er für die ersten deutschsprachigen Wagnerauf­führungen nach dem Kriege an der Londoner Covent Garden Opera verpflichtet; in dieser und der folgenden Opernsaison in London tritt er als Siegfried, Siegmund, Stolzing, Tristan, Erik und Ägisth auf. Bis zum Jahre 1931 ist er fast alljähr­lich Gast in Zoppot, wo er auf der stimmungsvollsten Opern­bühne der Welt als Parsifal, Lohengrin, Siegmund und Sieg­fried zum Festspielniveau der Aufführungen beiträgt.

    Seine Gastspieltätigkeit ist sonst im Wesentlichen auf den deutschen Sprachraum begrenzt. Soot hat seine Bindung an die Berliner Staatsoper sehr ernst genommen; sein Reper­toire dürfte unter seinen Fachkollegen ohne Vergleich sein, was die Vielseitigkeit seiner Darstellungsmöglichkeiten be­trifft. Nimmt man die Zeit seiner Schauspielkarriere hinzu, so hat seine Bühnenlaufbahn genau ein halbes Jahrhundert gedauert: noch im Jahre 1951 hat er an der Städtischen Oper in Berlin, im Alter von 73 Jahren, einen überaus akzentuier­ten und stimmlich ausgezeichneten Herodes gesungen. Die Schallplatte gibt seinen weitgespannten Interpretationsradius nur zum Teil wieder; auffallend ist jedoch stets die musi­kalische Gewissenhaftigkeit, die sorgfältige Sprachbehand­lung und eine bis ins kleinste Detail ausgefeilte Rollenauf­fassung. Noch bei seinem 80. Geburtstag hat Soot erstaunliche Liedaufnahmen gemacht. Als er am 9. Juni 1965 starb, ging einer der interessantesten Wagner- und Charakterdarsteller der Jahre zwischen den beiden Kriegen dahin.

    Einhard Luther























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    Ich fahre fort in meiner Präsentation der Materialien, die mir die Familie von Charlotte Viereck zur Verfügung gestellt hat.


    28 - Charlotte Viereck mit Ehemann Bernecker

    Das Bild zeigt ein offensichtlich glückliches (frisch verheiratetes ?) Paar,




    29 Urlaubsfoto

    Urlaubskarte aus Heiligenblut (am Großglockner in Österreich) mit Foto von der Besichtigung des Salzbergwerks in Hallein. Charlotte Viereck und Heinrich Bernecker sind die beiden letzten weiß gekleideten Personen auf dem Waggon.


    29 - Rückseite
    Der Text der Karte an Pauline Viereck, Berlin Schöneberg, Akazienstr. 20, gestempelt am 3.VII.1928:
    Heiligenblut 30.6.
    So sahen wir aus, als wir aus dem Bergwerk fuhren in Hallein. Aussehen tuts, wie (?)..en mal. Euch beiden herzl. Grüsse  Eure Lotte





    30 Foto

    30 Rückseite


    Dieses Foto ist der einzige Hinweis auf die Frühzeit von Charlotte Viereck. Es zeigt offenbar ein gutbürgerliches Wohnzimmer mit Kunstgegenständen (Kaminplatte, Madonnenfigut) mit einem Mann mit langer Porzellanpfeife und einer jungen Frau neben ihm mit einer Stickarbeit auf dem Schoß. Das Bild zeigt oben ein Loch von einer Reißzwecke und war offenbar lange irgendwo angepinnt gewesen.

    Text: Architekt Heinrich Kimpel und Frau Charlotte geb. Viereck ca. 1899.

    Die Schrift ist offenbar die (Altersschrift) von Charlotte Viereck. Von anderer Hand wurde mit Pfeil auf die Jahreszahl hinzugefügt "stimmt nicht, ca. 1920". Dies kann aber selbst nicht stimmen, da CV auf dem Bild noch sehr jung ist und 1920 bereits 43 Jahre alt war. So ist es wahrscheinlich, dass dieses Bild von ca. 1899 stammt und Charlotte Viereck und Heinrich Kimpel als junges Paar zeigt.

    31

    31 Rückseite

    Nr. 31 ist ein undatiertes Bild auf einer Terrasse vor dem Haus mit Handarbeit oder Glastablett und der Aufschrift "Mutter Dresden Kless (?)"

    32 Charlotte Viereck mit ihrem Rehpinscher


    33 - Foto




    33 - Rückseite

    Text:
    Herbst 1930
    Mutter, Fräulein Elisabeth, die rabenschwarzen Kinder u. - Liselotte




    34 - Urlaub im Salzburger Land

    Charlotte Viereck und Heinrich Bernecker mit drei alten Frauen (vor 1932)





    35 - Foto vom Sachsenhof


    Dieses Foto vom Sachsenhof ist bezeichnet "Zur frohen Erinnerung, Gert (?) Schön, 19.8.34"
    Im Fenster rechts Charlotte Viereck, daneben vermutlich ihre Mutter.


    36 - Foto ohne Datum mit Vogelkäfig



    36 - RS: "Omi Sachsenhof"


    37 - Foto 8.X.1940



    37 - Rückseite
     Vor dem Sachsenhof 8.10.1940
    Omi, Mutti, Hanne und Herr Geilsdorf

    (übermittelt mit dem Titel: mit Tochter, Enkelin, Kindermädchen und Soldat Geilsdorf)



    38 - Foto 1950 "mit Wettingers Dina"

    38 Rückseite

    Text in etwa: "Bad Elster Mai 1950. Omi mit Wettingers Dina
    Wettinger ehem(aliger) Kreisleiter in Lpzg. (Leipzig). Schwager von Wölfels dem wegen seiner reinen Weste kein N.(ach)-Kriegsprozess etwas anhaben konnte u(nd) dem sogar die Amis tadellose Zeugnisse ausstellten."


    39 - Foto

    40

    40 Rückseite

    41

    42


    43-  Foto

    Foto signiert von Hermann R.O. Knothe, 29.3.1955, Bad Elster
    Hermann R.O.Knothe (1891-1961) war ein Maler aus Bad Elster (  www.knothe-hermann.de )



    43 Rückseite
    Inschrift: "Charlotte Bernecker Viereck ehem. Mitglied Staatsoper Dresden".



    Sterbeurkunde


    Trauschein

    Veranstaltungszettel 1930, Ausschnitt

    Veranstaltungszettel 1930
    Auf dem Veranstaltungszettel von 1930 hat jemand rot unterstrichen "Klasse Frau Kammersängerin Viereck" und daneben geschrieben "Kimpel".


    Es folgen noch zwei Briefe, die die Enkelin als Antwort an eigene Anfragen von der Staatsoper Dresden erhielt. Der zweite ist wichtig, weil als Anlage ein handgeschriebenes Rollenverzeichnis von Charlotte Viereck mitgeschickt wurde, das wichtige Aufschlüsse über ihre Karriere gibt.

    Brief 1 vom 2.12.1993

    Brief 2 vom 17.8.1993

    Verzeichnis der Rollen Seite 1

    Verzeichnis der Rollen Seite 2
    Das Rollenverzeichnis lautet:

    Komponist     Werk               Rolle                           Jahr

    Beethoven      Fidelio            Leonore                      19 a.G.,, 20 a.G., 20, 24

    Mozart            Don Giovanni Donna Elvira              19

                                                   Donna Anna               24

    Verdi              Maskenball     Amelia                        19 a.G., 19, 23, 27a.G.

    Weber             Oberon            Rezia                          22

    Wagner           Walküre          Helmwige                   27.a.G.

                            Rienzi             Irene                           20, 23, 26a.G., 27 a.G

    .                       Fl.Holländer   Senta                          20, 22, 24, 27 a.G., 28 a.G.

                            Tannhäuser     Venus                         20, 23, 27 a.G., 28 a.G

                            Lohengrin       Elsa                            21

                                                   Ortrud                                    24

    Lortzing          Undine            Berthalda                    19, 21

    Puccini            Tosca              Tosca                          23, 24, 28a.G.

    Strauss             Fr.O.Schatten Färbersfrau                 19

                            Rosenkavalier Marschallin                 21, 25, 26ag, 27ag, 28ag

    Mozart             Zauberflöte     Erste Dame                 21

    Wagner           Götterd.            Norne                         20, 22

    Pfitzner           Palestrina        1. Engelsstimme         22

    Graener           Schirin und Gertraude   Gertraude    20

    Kaun               Der Fremde    Godiva                         20

    Meyerbeer       Hugenotten     Valentine                    21

                            Afrikanerin     Selika                          21

    Kienzl             Evangelimann Martha                       21, 24

    d'Albert          Tiefland          Martha                        23

    Offenbach      Hoffmans Erz.Giulietta                     19,22,24

    Mascagni        Cavalleria        Santuzza                     24, 25

    Marschner      Hans Heiling   Königin                      23 (...?)

    Mraczek          Ikdar                           ?                      23




    (Joseph Gustav Mraczek's (1878-1944) Oper Ikdar wurde 1921 uraufgeführt)


    Zuletzt folgen noch zwei Seiten mit Erinnerungen der Enkelin, die sie nach dem Kontakt, den die Urenkelin zu mir aufgenommen hatte, schrieb.


    Text Gisela Pescheck 15.8.15 Seite 1

    Text Gisela Pescheck 15.8.15 Seite 2

    Der Text wurde mir am 15.8.15 als PDF-Datei übermittelt. Geschrieben wurde er einige Tage oder Wochen früher.


    Damit habe ich nun das komplette Material, das mir zur Verfügung stand, dokumentiert und dargestellt.

    Sieben der neun bekannten Aufnahmen von Charlotte Viereck-Kimpel (für die Firma VOX 1922) kann man hier herunterladen:
    http://recordplayer78.blogspot.de/2016/04/eine-neue-aufnahme-von-charlotte-viereck.html

    Eine Zusammenfassung der obigen Fakten findet sich in einem Artikel in meinem anderen Blog:
    http://recordplayer78.blogspot.de/2016/04/die-sangerin-charlotte-viereck-1877.html





    0 0

    Nachdem ich von den Nachfahren der Sängerin Charlotte Viereck Bilder und Materialen über das Leben der Sängerin erhalten habe, habe ich in meinem anderen Blog einen Artikel über ihr Leben geschrieben. (siehe hier: http://recordplayer78.blogspot.de/2016/04/die-sangerin-charlotte-viereck-1877.html  ) In ihm habe ich nur einen Teil der mir zur Verfügung gestellten Bilder verwenden können, damit der Artikel nicht zu umfangreich wird. Für die Leser, die noch mehr Bilder sehen möchten und noch weiter in das Leben dieser Sängerin eintauchen möchten, werde ich nun hier sämtliches Material, das ich habe, veröffentlichen. Aus ihm ergeben sich auch noch weitere Informationen über die Sängerin. Ausserdem kann man, da auch die Rückseiten der Bilder und die dazugehörigen Beschriftungen gezeigt werden, nachvollziehen, welche Schlußfolgerungen ich aus dem Material gezogen habe und eventuelle Fehler berichtigen. Manche Rätsel bleiben aber bestehen. Falls ein Leser hier weiterhelfen kann, bitte ich um einen Hinweis per mail oder über die Kommentarfunktion unter dem Artikel.

    Ich zeige die Bilder hier in der Reihenfolge und Nummerierung, wie die Urenkelin von Charlotte Viereck, Frau Ute Balzer, und ihre Mutter (und damit Enkelin von Charlotte Viereck) Gisela Pescheck sie mir geschickt haben.




    01 - Todesanzeige



    02 Vorderseite - Schwerbeschädigten-Ausweis





    03 Rückseite - Schwerbeschädigten-Ausweis




    03 - Bild von Heinrich Bernecker, ihres zweiten Ehemannes 



    03 - Widmung auf der Rückseite



    Das Bild zeigt ihren zweiten Ehemann Heinrich Bernecker in einer Rolle und ist auf der Rückseite gewidmet "Meiner Charlotte" ohne Unterschrift.


    04 - Privatfoto

    05 - Charlotte Viereck mit Tochter am Klavier

    Das Bild zeigt den von der Enkelin in ihrem Text erwähnten Bechstein-Flügel. Die Rückseite des Fotos gibt die Beschriftung "ca. 1922". Die Worte unten heißen: "ihre rechte Hand"


    05 - Rückseite

    06 - Karte als Venus

    06 - Karte als Venus - Rückseite
    Auf der Vorderseite vermerkt: "Staatsoper Dresden 1923"
    Der Text der Karte, der wohl an die Enkelin ging, lautet:

    Bad Elster, 26. Okt. 1952
    Meine liebe Gisela!
    Die herzlichsten Glückwünsche zum 16.
    Deine steinalte Omi


    07 - Karte Rosenkavallier

    07 - Karte Rosenkavallier Rückseite. Inschrift: "Rosenkavalier Dresden Staatsoper"

    08 - Foto

    08 - Rückseite

    Inschrift: "Lotte Kimpel","Potsdam 1905". Von späterer Hand: "Frau Viereck-Bernecker"

    09 - Zwei Karten als Amelia (Maskenball)

    09 - Rückseite einer der Karten

    Auf einer der Karten Inschrift von CVs Hand: "Amelia in Maskenball II". In meinem Artikel im anderen Blog habe ich die Karten auseinander geschnitten und einzeln gezeigt.

    10 - Berliner Oratorien-Quartett

    Oben ein halb abgeschnittener Aufdruck: "Berliner Oratorien-Quartett". Es gibt keine näheren Angaben zu den anderen Sängern.


    11 - Bild aus Posen
     Nr. 11 wurde übermittelt unter dem Titel "Bild aus Posen". Es gibt keine näheren Angaben zu der dort abgebildeten männlichen Person.  Fotograf W. Menger, Posen, Jahreszahl unten rechts: 1919




    12 - Foto im Bühnenkostüm

    Vermutlich aus der gleichen Zeit oder früher stammt Foto 12. Außenaufnahme im Bühnenkostüm mit Degen.


    13 - Foto Charlotte Kimpel

    Dieses Foto mit der Inschrift "Charlotte Kimpel" wird von vor 1924 stammen, da sie in diesem Jahr ihre zweite Ehe mit Heinrich Bernecker einging.





    14 - Foto




    14 - Rückseite
     Bildinschrift auf der Rückseite: "Kundry Posen 1919   (aufgen. W. Manger)"


    15 - Fotokarte Donna Anna 1

    Inschrift Rückseite: "Donna Anna" in Don Giovanni - Kostümentwurf von Slevogt. Dresden 1925. Staatsoper [Nach dem Rollenverzeichnis müsste es richtig 1924 heißen wie beim nächsten Bild]



    16 - Fotokarte Donna Anna 2

    Inschrift: Staatsoper Dresden 1924 Kostümentwurf Slevogt. Mit anderem Stift vermutlich von anderer Hand: Donna Anna "Don Juan


    17

    17 Rückseite 1



    17 - Rückseite 2

    Diese Karte wurde mir mit zwei verschiedenen Rückseiten übermittelt, d.h. sie ist wohl bei der Familie doppelt vorhanden. Die erste trägt die Aufschrift "Charlotte Viereck-Bernecker, Kammersängerin Staatsoper Dresden ca. 1920". Die zweite konnte ich zunächst nicht entziffern. Nach dem Studium des Rollenverzeichnisses wurde mir aber klar, dass es "Godiva in 'Der Fremde'" heißen muss. (Oper von Hugo Kaun).

    18 - Inschrift: "Fidelio Beethoven Staatsoper Dresden 1919"




    19a

    19b


    19 Rückseite

    Auf 19 b sind irgendwelche Schriftzeichen unten rechts übermalt. Inschrift auf der Rückseite:
    "Viereck, Posen 1917. Polnische Oper Amor und Psyche. Die sprachen natürlich von der "Nonne!"


    20 - Ansichtskarte vom Inneren der Dresdner Frauenkirche

    20 - Rückseite
    Text der Karte: "B.E. (Bad Elster) Feb. 55. Nun soll der herrliche Bau neu erstehen. Kannst Du Dich noch auf 9. Mahler Sinfonie besinnen? Die Sinfonie der 1000. Drei mal sang ich sie mit Taucher. Ich besinne mich nur nicht, wer sie dirigierte. Omi"
    [Curt Taucher (1885-1954) war Tenor und sang von 1920 bis 1934 an der Dresdner Staatsoper. Die Sinfonie der Tausend von Mahler ist tatsächlich seine 8. Sinfonie.]


    21 - Foto

    21 Rückseite

    Nr. 21 wurde mir zugemailt mit dem Titel "Posen", die Aufschrift besagt jedoch: "Viereck, Venus, Dresden Oper"



    22

    Nr. 22 habe ich auseinandergeschnitten. Der Text bezieht sich auf dei Oper Lohengrin und die Rolle der Ortrud und besagt: Plaschke war immer mein Partner. Lohengrin Staatsoper Dresden. "Erhebe Dich, Genossin meiner Schmach" [Zitat aus der Oper]






    22 - Als Ortrud

    22 Rückseite

    23 - "Marschallin Rosenkavalier von Richard Strauss, Staatsoper Dresden 1924, 1. Akt"

    von anderer Hand: "Rosenkavallier I."


    24

    Nr. 24: Irene aus Rienzi. Der Text der Karte lautet:

    20. Okt. 20   Liebe Eltern! Während einer Aufführung finde ich einen Augenblick Zeit. Ich komme aber nächstens bald zu einem ausführlichen Brief. Das Leben hastet für immer mehr, es wird wohl auch so bleiben. Heute wollte ich euch nur diese beiden Bilder senden. "Irene" in Rienzi. Ich bin in Treue eure Lotte



    24 - Rückseite

    25
    25 - Rückseite
    Nr. 25 Aufschriftr vorne: Isolde Posen 1918. Der Text dieser nicht abgeschickten Karte auf der Rückseite lautet:

    Fräulein Käte Pfitzner, Gnesen  [heute Gniezno, ca. 50 km von Posen, heute Poznan, entfernt]

    Posen 27. Mai 19
    Liebes Fräulein Pfitzner!
    Vielen Dank für Ihre liebenswürdigen Zeilen. Wenn ich dürfte, es würde sich lohnen, hätte ich im Juni gerne ein Konzert in Gnesen gegeben vielleicht können Sie mir da eine Auskunft zukommen lassen. Höflichste Empfehlungen Ihre Charlotte Viereck-Kimpel

    26  - Privatfoto ohne Datumsangabe


    27 - Eltern der Charlotte Viereck

    27 - Rückseite, Text "unsere Großeltern Viereck"


    (Fortsetzung in Teil 2)

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    Die Oper "La Boheme" von Giaocomo Puccini wurde am 1. Februar 1896 im Teatro Regio in Turin unter der Leitung von Arturo Toscanini uraufgeführt. Nach den Berichten kam die Oper beim Publikum gut an, der Presse war sie zu karg und veristisch: Sie zeigte kleine Leute an ärmlichen Schauplätzen. Erst im gleichen Monat in Rom und dann im April in Palermo wurde die Oper zum richtig großen Erfolg und ist es seitdem geblieben.

    Es gibt eine Serie von Ansichtskarten des italienischen Verlages Alterocca Terni, die angeblich die Sänger der Uraufführung von La Boheme in Szenenbildern der Oper zeigen, die mit Notenzitaten "verziert" sind und oft auch eine Unterschrift Puccinis aufweisen.Sie stammen von ca. 1900 oder eher und zeigen Szenen der Oper. Dreizehn Karten aus dieser Serie (Nr. 3267-3280) konnte ich nachweisen. Ob sie wirklich die Sänger der Uraufführung zeigen, bleibt teilweise Spekulation, es ist aber sehr wahrscheinlich.

    Die auf den Karten gezeigten Rollen entsprechen Rudolfo, Marcello, Mimi und Musetta. Die entsprechenden Sänger waren:

    Rudolfo: Evan Gorga
    Mimi: Cesira Ferrani
    Marcello: Tieste Wilmant
    Musetta: Camilla Pasini

    Weitere nicht auf den Karten vorkommende Rollen und ihre Sänger in der Uraufführung waren:

    Schaunard: Antonio Pini-Corsi
    Colline: Michele Mazzara
    Benoit und Alcindoro: Alessandro Polonini
    Ferner werden angegeben, vermutlich als Comprimarii, Dante Zucchi und Felice Foglia


    Karte Nr. 3267 - 1. Bild  - Evan Gorga und Cesira Ferrani


    Karte 3268 - 1. Bild - Evan Gorga und Cesira Ferrani





    Eine andere Ausgabe der Karte 3268 mit Sepia-Ton


    Gorga, Evan, Tenor, * 1866 Brocco bei Caserta, † 6.12.1958 Rom; eigentlich Evangelista Gorga; er war ein Schüler von Aristide Franceschetti und debütierte 1895 am Teatro Comunale von Cagliari als Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas. Er sang dort anschließend den des Grieux in Massenets »Manon« und den Amico Fritz in der gleichnamigen Oper von Mascagni und trat noch im gleichen Jahr 1895 am Teatro Costanzi in Rom als Arvino in Verdis »I Lombardi« auf. Der Name dieses Tenors besitzt eine besondere musikhistorische Bedeutung, weil er am 1.2.1896 in der Uraufführung von Puccinis Oper »La Bohème« am Teatro Regio Turin den Rodolfo sang, während die Mimi durch die Sopranistin Cesira Ferrani kreiert wurde. Da seine Stimme in den hohen Lagen nicht sonderlich ausgebildet war, mußte Puccini einige Teile der Partitur für ihn tiefer transponieren. Er sang den Rodolfo in den folgenden Jahren an vielen italienischen Theatern; er gastierte u.a. 1898 am Teatro Costanzi Rom als Faust von Gounod. Er gab jedoch bereits 1899 seine Bühnenkarriere auf. Er widmete sich jetzt der Sammlung von Musikinstrumenten aus allen Zeiten und allen Ländern und wurde der Besitzer einer weltweit bekannten kostbaren Kollektion. 1911 stellte er seine Instrumentensammlung im Rahmen einer großen Exposition in Rom aus. Seinen Lebensabend verbrachte der Sänger in Rom, wo er hochbetagt, mehr als 60 Jahre nach der Uraufführung von »La Bohème« starb.

    Lit: M. Vita: »Evan Gorga e le sue grandi Collezioni« (Rom, 1926).

    Von seiner Stimme sind keine Schallplatten vorhanden.
    [Lexikon: Gorga, Evan. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 9256 (vgl. Sängerlex. Bd. 2, S. 1371 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    Karte Nr. 3269 - 1. Bild







    In hoher Auflösung gescannter Ausschnitt aus Nr. 3269

    Ferrani, Cesira, Sopran, * 8.5.1863 Turin, † 4.5.1943 Pollone bei Biella; eigentlicher Name Cesira Zanazzio. Ausbildung am Liceo musicale Turin durch Antonietta Fricci. Sie debütierte 1887 am Teatro Regio Turin als Marguerite im »Faust« von Gounod und sang im gleichen Jahr am Teatro Carignano Turin die Gilda im »Rigoletto«. Sie gastierte dann in Venedig, Catania und Turin und auch an französischen Theatern. 1892 trat sie am Teatro Carlo Felice von Genua als Amelia in Verdis »Simon Boccanegra« und als Loreley in der gleichnamigen Oper von Catalani unter Arturo Toscanini auf. Es folgten weitere Auftritte am Teatro Comunale Bologna (u.a. 1895 in der Uraufführung der Oper »Consuelo« von Orefice in der Titelrolle), in Bari, Brescia und Udine. Am 1.2.1893 wirkte sie am Teatro Regio Turin in der Uraufführung von Puccinis »Manon Lescaut« in der Titelrolle mit; am gleichen Theater kreierte sie am 1.2.1896 in der Uraufführung von Puccinis »La Bohème« die Rolle der Mimi. An der Mailänder Scala nahm sie an der Uraufführung der Oper »Il Fior d'Alpe« von Alberto Franchetti (15.3.1894), am Teatro Lirico Mailand an der von Giacomo Orefices damals sehr erfolgreicher Oper »Chopin« (25.11.1901) teil. Am 17.1.1901 sang sie in einer der sechs gleichzeitigen Uraufführungen von Mascagnis »Le Maschere« am Teatro Carlo Felice Genua. Die Aufführung endete (wie auch die übrigen fünf) mit einem skandalösen Mißerfolg und mußte schließlich abgebrochen wrden. 1893 gastierte sie am Teatro Colón Buenos Aires, 1894 an der Mailänder Scala, wo sie in den folgenden 15 Jahren immer wieder in Erscheinung trat. Große Erfolge hatte sie als Elisabeth im »Tannhäuser« und als Eva in den »Meistersingern«. Tourneen brachten ihr in Spanien und Rußland viel Beifall, 1898 war sie an der Oper von Kairo zu Gast, auch am Teatro San Carlos Lissabon. 1909 nahm sie von der Bühne Abschied, nachdem ihr Auftreten als Mélisande in der italienischen Erstaufführung von Debussys »Pelléas et Mélisande« (unter der Leitung von Toscanini) an der Scala 1908 einen schockierenden Mißerfolg gebracht hatte, der sich am Teatro Costanzi in Rom wiederholte. Sie wirkte dann als Pädagogin in Turin. Ihr Salon in Turin war für viele Jahre ein Zentrum des musikalischen und schöngeistigen Lebens in dieser Stadt.

    Von ihr existieren einige seltene Schallplatten auf G & T (Mailand, 1903), darunter auch Titel aus »Manon Lescaut« und »La Bohème« von Puccini.

    [Nachtrag] Ferrani, Cesira; sie sang auch die Juliette in »Roméo et Juliette« von Gounod, die Fanny Legrand in »Sapho« von Massenet, die Charlotte im »Werther«, ebenfalls von Massenet, und die Elsa im »Lohengrin«.

    [Lexikon: Ferrani, Cesira. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 7453 (vgl. Sängerlex. Bd. 2, S. 1116 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]



    Nr. 3270 zeigt die Musetta der Camilla Pasini - eine Rolle, die bei den Zeitgenossen
    der Uraufführung zunächst mehr Interesse erweckte als die der Mimi

    In Frankreich wurden die Karten mit französischem Textaufdruck verkauft.




    Pasini, Camilla, Sopran, * 6.11.1875 Rom, † 29.10.1935 Rom; sie war eine Schwester der großen italienischen dramatischen und Wagner-Sopranistin Lina Pasini-Vitale (1872-1959); eine weitere Schwester, Enrica Pasini, hatte eine kurze Karriere im Mezzosopranfach. Camilla Pasini erhielt ihre Ausbildung an der Accademia di Santa Cecilia in Rom und debütierte dort auch am Teatro Quirino als Inez in Meyerbeers »Africaine«. Sie wurde vor allem dadurch bekannt, daß sie in der Uraufführung von Puccinis Oper »La Bohème« am 1.2.1896 am Teatro Regio von Turin die Partie der Musetta sang, während Arturo Toscanini die Vorstellung dirigierte. 1897 sang sie die gleiche Partie bei der Premiere von »La Bohème« an der Mailänder Scala. Sie trat als Musetta in Brescia, Genua, Triest, in Asti und am Teatro Costanzi in Rom auf. 1904 unternahm sie eine Südamerika-Tournee. Sie sang in Italien u.a. am Teatro Comunale wie am Teatro Rossetti in Triest, am Teatro Massimo Palermo, am Teatro Comunale Fiume, in Padua, Cremona, Mailand und Rom. Dabei trug sie eine Vielzahl von Partien vor, darunter die Traviata, die Tosca, die Margherita in »Mefistofele« von Boito, die Titelrollen in »Fedora« von Giordano, »La Wally« und »Loreley« von Catalani, die Suzel in »Amico Fritz« von Mascagni, die Elsa im »Lohengrin«, die Desdemona in Verdis »Othello«, die Norina im »Don Paquale« und die Grisélidis in der gleichnamigen Oper von Massenet. Bereits 1905 gab sie ihre Karriere nach einer Heirat mit dem Juristen Muzi auf. In der Saison 1911-12 betrat sie nochmals am Teatro Costanzi Rom (hier in der Uraufführung der Oper »La Vigilia di Notte« von Teofilo De Angelis) und am Teatro Sociale in Mantua die Bühne.

    Leider sind von der Stimme der bedeutenden Sängerin keine Schallplattenaufnahmen vorhanden.
    [Lexikon: Pasini, Camilla. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 18635 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 2661 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    Nr. 3271 aus dem 3. Akt - links Tieste Wilmant als Marcello,, Mitte Evan Gorga als Rodolfo,
    rechts Cesira Ferranii als Mimi 

    Unter der Nummer 3271 bis 3276 folgen eine Reihe von Bildern aus dem dritten Akt.


    Nr. 3272


    Nr. 3273 in zwei verschieden dunklen bzw. kontrastreichen Versionen mit dadurch jeweils etwas anderem Charakter


    Nr. 3274, zusätzlich mit Camilla Pasini als Musetta (ganz links)




    Nr. 3275

    Nr. 3276

    Die folgenden Karten der Serie sind Einzelportraits der vier Darsteller gewidmet.

    Nr. 3277 Tieste Wilmant als Marcello




    Nr. 3277, Vergrößerung



    Wilmant, Tieste, Bariton, * 1859 Lodi, † 20.3.1937 Lodi; er debütierte 1878 in Chiari. Seine Karriere ist schwer in ihren Einzelheiten zu verfolgen, scheint sich jedoch hauptsächich an italienischen Bühnen abgespielt zu haben. In der Spielzeit 1893-94 sang er an der Mailänder Scala in Catalanis »Loreley« und in »Manon Lescaut« von Puccini. In der Saison 1899-1900 war er wieder an der Scala anzutreffen, wo er jetzt den Alberich in der italienischen Erstaufführung des »Siegfried« von Richard Wagner sang, dazu den Jago im »Othello« von Verdi. Von musikhistorischer Bedeutung ist seine Teilnahme an der Uraufführung von Puccinis »La Bohème« am 1.2.1896 am Teatro Regio Turin, in der er den Marcello sang.

    Schallplatten: Zwei sehr seltene Zonophone-Aufnahmen (Mailand, 1904).
    [Lexikon: Wilmant, Tieste. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 25965 (vgl. Sängerlex. Bd. 5, S. 3731 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]



    Nr. 3278, Evan Gorga als Rodolfo

    Nr. 3279 Cesira Ferrani als Mimi

    Nr. 3280 Camilla Pasini als Musetta



    Es hätte nahe gelegen, noch weitere zentrale Szenen der Oper, wie die Festszene, in der Musetta ihren Walzer singt, oder die Sterbeszene Mimis abzubilden. Dass dies nicht geschah, liegt vermutlich daran, dass nur die vier Darsteller für die Fotoserie zur Verfügung standen und in den anderen Szenen weitere Darsteller beteiligt gewesen wären. Nach Vergleichen mit anderen Fotos von Cesira Ferrani und Evan Gorga, die ich im Internet fand, gehe ich davon aus, dass hier wirklich die Uraufführungssänger abgebildet sind. Von Camilla Pasini finden sich zwei Fotos in Ashot's Blog Forgotten Operasingers (siehe HIER) . Von ihm stammt auch der Hinweis, dass es zwei seltene Tonaufnahmen von Camilla Pasini gibt, nämlich ein Duett aus I Puritani mit E. Gherlinzoni . Leider ist der Tonausschnitt auf der Seite nicht mehr zu hören. Außerdem steht auf dem Label "A.Pasini", so dass es durchaus eines der anderen Geschwister von Camilla Pasini sein könnte, die hier singt.





    Es wird also allgemein in Sammlerkreisen angenommen, dass die genannten Darsteller auch auf den Ansichtskarten abgebildet sind. Die Fotos entstanden vermutlich wenige Jahre nach der Uraufführung und fanden weite Verbreitung. Das früheste postalisch gelaufene Exemplar sah ich, wenn ich mich richtig erinnere, von 1902. Oben sind u.a. datierte Exemplare von 1904 abgebildet (z.B. Nr. 3275). Die Bilder könnten also insgesamt um 1900 herum entstanden sein.

    Evan Gorga hinterliess keine Tonaufnahmen. Cesira Ferrani hat u.a. zwei Aufnahmen aus La Boheme hinterlasssen (von 1902), die man Youtube hören kann.





    Tieste Wilmant hat zwei Zonophon-Aufnahmen hinterlassen (nicht aus La Boheme), von der sich das Credo aus Otello auch auf Youtube findet. Da es sich nicht einbetten kann, hier der link:
    https://www.youtube.com/watch?v=npo4iUFbwc4






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    Bei Anbietern von Ansichtskarten im Internet stößt man immer wieder einmal auf eine Karte, die eine Gruppe festlich gekleideter Menschen zeigt und den Untertitel "Mesothorium-Konzert" trägt. Ich habe einmal recherchiert, was es mit diesem Konzert auf sich hat.





    Mesothorium ist die heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für ein radioaktives Nuklid (bzw. sogar für zwei, nämlich für Radium 228 oder Actinium 228). Es wurde in der Anfangszeit der medizinischen Entwicklung von Bestrahlungen gegen Krebs vorwiegend für Gebärmutterkrebs eingesetzt. 1913 wollte der Direktor der Universitäts-Frauenklinik in München, Albert Döderlein, diese Methode einführen.


    Da das Material in damaligen Zeiten sehr teuer war, versicherte er sich der Unterstützung des Prinzregenten und organisierte ein Benefizkonzert. Da die oben gezeigt Karte öfter auftaucht, vermute ich, dass die Karten ebenfalls für den wohltätigen Zweck der Anschaffung medizinischen Materials verkauft wurden.



    Jedenfalls wurde am 29.VIII.1913 ein Opernkonzert mit vielen bekannten Sängern veranstaltet, die zu diesem Zweck zusammenkamen. Es fand im "Königlichen Odeon" in München statt und begann um 20 Uhr. Das Gruppenfoto ist wohl in diesem Rahmen auf einem Empfang vorher oder nachher entstanden. Die Namen der abgebildeten Personen sind auf dem Bild nicht angegeben. Zum Glück fand ich im Internet die abgebildete Rückseite einer solchen Ansichtskarte vom Konzert, auf der jemand minutiös (fast) alle Namen der Fotografierten aufgeführte hatte. Ich habe die Angaben mit Fotos der Bezeichneten verglichen und kann nun die meisten Personen auf dem Foto benennen.



    Fangen wir also an...




    Auf der linken Seite sehen wir ganz aussen Ernst von Possart (1841-1921), Er war damals ein sehr bekannter Schauspieler und von 1873 bis 1887 und dann noch einmal von 1893 bis 1905 Direktor des Münchener Thaters, was ihm schließlich den Adelstitel einbrachte.

    Bei der zweiten Person von links handelt es sich wahrscheinlich um Hermann Zilcher (1881-1948), der als Dirigent und Komponist zeitweise in München lebte. Ich vermute, dass er der Dirigent des Abends war. Andererseits sieht er für einen 32jährigen etwas alt aus.

    Die dritte Person von links wird auf der Liste als "Max Krauß, Aachen" bezeichnet. Ich habe noch nie von diesem Sänger gehört, aber wurde im Sängerlexikon fündig:
    "Krauß, Max, Baß-Bariton, * 1.10.1886 Sodingen bei Herne (Westfalen), † 29.10.1968 Coburg; er begann ein Jurastudium, verlegte sich dann aber auf die Ausbildung seiner Stimme, die in München stattfand. Er debütierte 1911 am Stadttheater von St. Gallen, kam von dort 1913 an das Stadttheater Aachen, war dann aber nach 1916, abgesehen von einem kurzen Engagement am Hoftheater Hannover 1916-17, nur gastierend tätig. Hierbei trat er vor allem in Wagner-Partien auf: als Fliegender Holländer, als Telramund im »Lohengrin«, als Hans Sachs in den »Meistersingern«, als Kurwenal im »Tristan«, als Wotan im Nibelungenring und als Amfortas im »Parsifal«. Gastspiele führten ihn u.a. an die Hofoper Dresden (1914), an das Théâtre de la Monnaie Brüssel (1914 in Aufführungen des Ring-Zyklus), an das Stadttheater von Zürich (1915), an das Opernhaus von Leipzig (1915-16 und 1919), nach Den Haag (1922) und Madrid, nach Basel und Bukarest und nach dem Ersten Weltkrieg an die Staatsopern von München, Berlin und Wien. Daneben entfaltete er eine ausgedehnte Tätigkeit als Konzert- und Liedersänger, wobei er namentlich mit Loewe-Balladen erfolgreich war; er kreierte aber auch verschiedene Lieder von Othmar Schoeck. Diese Tätigkeit setzte er bis zum Beginn der dreißiger Jahre fort. Dann wurde er 1932-33 Oberregisseur am Stadttheater von Lübeck; 1933-36 war er Operndirektor und stellvertretender Intendant am Staatstheater von Kassel, 1936-38 Intendant am Theater von Saarbrücken. 1940-43 bekleidete er die gleiche Position am Theater von Reichenberg in Böhmen (Liberec) und, nach einer Unterbrechung dieser Karriere in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, 1949-52 nochmals am Landestheater Coburg. Zuletzt lebte er im Ruhestand am Tegernsee.
    [Lexikon: Krauß, Max. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 13186 (vgl. Sängerlex. Bd. 3, S. 1908 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]"

    Man fragt sich, warum dieser Sänger bei der "All Stars-Besetzung" dabei sein durfte, zumal ja das Fach des Basses schon reichlich vertreten war.

    Die vierte, ebenfalls wie Krauß halb verdeckte Person ist der erste bekannte Sänger in der Reihe. Es handelt sich um Fritz Feinhals (1869-1940), der von 1898 bis 1927 an der Hof- und später Staatsoper in München sang. Seine markante Gestalt ist gut zu erkennen.




    Vor ihm, als fünfter von links, steht der Bass Max Gillmann (1874-1926), der seit 1906 an der Münchner Hofoper sang. Seine untersetzte Gestalt mit dem runden Gesicht ist auch unter der Maske des Landgrafen im Tannhäuser noch zu erkennen.



    Hinter Max Gillmann sieht man den Kopf des Basses Carl Braun (1886-1960), der zum Zeitpunkt des Konzertes an der Städtischen Oper in Berlin engagiert war, aber durch seine Auftritte in Bayreuth (zwischen 1909 und 1931) bekannt war.

     

    (Ausschnitt rechte Seite)

    Carl Braun mit Hund in Bayreuth

    Nun folgt mit Maude Fay (1878-1964) die erste Sängerin. Die geborene Amerikanerin war von 1906 bis 1914 in München verpflichtet und wechselte dann an die Met nach New York, wo sie noch ein paar Jahre sang. Nach ihrer Verheiratung 1917 zog sie sich weitgehend aus dem Musikleben zurück. Auf einer anderen Ansichtskarte kann man sie trotz Schleier gut wiedererkennen.

    Maude Fay (1878-1964)

    Der Mann zwischen den beiden Damen ist Paul Bender (1875-1947), der ab 1903 30 Jahre lang erster Bass am Opernhaus München war. Er ist ebenfalls eindeutig zu erkennen.


    Die zweite Dame von rechts ist Hermine Bosetti (1875-1936), die von 1901 bis 1924 in München sang. In meinem anderen Blog kann man sich Schallplattenaufnahmen von ihr herunterladen.


    Hermine Bosetti (1875-1936)

    Hinter Bosetti steht im Hintergrund ein älterer Herr, der anscheinend eine Art Orden um die Brust trägt.
    Er wird vom Chronisten der Auflistung als "von Enderlein" bezeichnet. Ich vermute, dass es sich um irgend einen Münchner Honoratioren handelt, Es gibt zwar den Tenor Emil Enderlein (1887-?), der von 1912 bis 1916 in Dresden sang und 1925 bei den Bayreuther Festspielen immerhin den Walther von Stolzing verkörperte. Nach dem Auftritt dort änderte er seinen Namen in Erik Enderlein um. Dieser sah aber anders aus und war 1913 viel jünger als die abgebildetre Person.

    Erik Enderlein, damals noch Emil. Die Zahl 1940 auf der Karte kann eigentlich nicht stimmen...

    Die dritte Dame auf der linken Seite ist Madame Charles Cahier (1870-1951). Sie ist in Nashville (Tennessee) geboren und hieß eigentlich Sarah Jane Walker. Seitdem sie 1904 den "schwedischen Rittergutsbesitzer" (so das Sängerlexikon) Charles Cahier geheiratet hatte, trat sie nur noch unter seinem Namen auf. Sie wurde 1906 von Gustav Mahler nach Wien geholt und sang 1911 in München in der Erstaufführung von Mahlers "Lied von der Erde" das Alt-Solo. Auch von ihr gibt es hier noch ein andrees Bild zum Vergleich.


    Madame Charles Cahier in Titus von Mozart





    Hinter der rechten Schulter des Prinzregenten sehen wir schließlich noch die altbekannte hünenhafte Gestalt des unverwüstlichen Leo Slezak (1873-1946). Kommen wir nun zur rechten Seite des Bildes.


    Auschnitt der rechten Bildseite

    Hier hat der Chronist leider seine peinlich genaue Auflistung der einzelnen Personen genau nach Stellung in der Reihe nicht beibehalten. Lediglich zwei Namen werden uns noch angegeben, nämlich Berta Morena (1878-1952) und Louise Perard-Petzl (1884-1936). Mit im Spiel sind noch Olive Fremstad und Edyth Walker, die ebenfalls auf dem Konzertplakat stehen.

    Wenn man die vier Damen rechts neben dem Prinzregenten, die unverdeckt zu sehen sind, von 1 bis 4 durchnummeriert, wäre meine Zuordnung: 1 - Olive Fremstad, 2 - Edyth Walker, 3 - Berta Morena, 4 - Louise Perard-Petzl.

    Damit sich jeder ein eigenes Urteil bilden kann, hier ein paar Bilder, nach denen ich meine Einschätzung vorgenommen habe:


    (sieht nach m.E. dem Mesothorium-Foto sehr ähnlich)

    Olive Fremstad 2

    Olive Fremstad 3, etwas jünger als auf dem Foto (?)

    Edyth Walker:

    Edyth Walker privat


    Ausschnitt, sieht aus wie Person 2










    Jetzt zu Morena und Perard-Petzl:

    sieht aus wie auf dem Mesothorium-Foto


     Hier lacht sie aber eher wie Person 4, hat aber nicht so ein schmales Gesicht. Oder irre ich mich?



    Nun zur letzten, die auch wie auf dem Foto lacht, wenn sie denn Person 4 ist!

    Louise Petzl in Schmuck der Madonna






    Ich nehme gerne Kommentare von Mitratern entgegen. Und das nächste Rätsel wartet auch schon: eine Ansichtskarte mit Münchner Bühnenkünstlern, die 1912 gelaufen ist. Es könnten aber auch Schauspieler sein, denn ich erkenne niemanden von unserem Mesothorium-Konzert wieder!




    PS. Die Abbildungen der Ärzte und des Konzert-Plakates stammen aus diesem Buch (das ich nicht gelesen habe, sondern über Google durchsuchen konnte):



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  • 02/08/17--07:29: In Wien am Bühnentürl (2)
  • Bereits 2013 habe ich ein paar Ansichtskarten, die Szenen "am Bühnentürl" der Wiener Hofoper zeigen (HIER), veröffentlicht. Mittlerweile sind einige Karten aus der Serie in meiner Sammlung dazugekommen, so dass ich hier eine Fortsetzung präsentieren kann.

    Als erstes gibt es zwei Karten  mit dem Bass Benedikt Felix. Die erste ist wohl im Sommer aufgenommen, die zweite eher im Frühling oder Herbst.




    Am Bühnentürl: Benedikt Felix 1

    Am Bühnentürl: Benedikt Felix 2


    Das Sängerlexikon schreibt über ihn:


    Felix, Benedikt, Baß, * 28.9.1860 Budapest, † 2.3.1912 Wien; sein eigentlicher Name war Felix Groß, er war der Sohn des Redakteurs der Kaiserlichen Wiener Zeitung Dr. Carl Groß, absolvierte die Handelsakademie Wien, ging dann aber zum Theater. 1880 betrat er am Theater von Mödling erstmals die Bühne, ging dann nach Iglau und trat einer Operettentruppe bei, mit der er eine Italien-Tournee unternahm. Er begann dann jedoch ein seriöses Gesangstudium bei den Pädagogen Hermann Grün und Johannes Ress in Wien. 1882 kam er an das Wiener Carl-Theater, 1883 an die Hofoper der österreichischen Metropole. Er debütierte an diesem Haus in einer kleinen Rolle in den »Hugenotten« von Meyerbeer. Seinen ersten großen Erfolg hatte er in Wien als Dulcamara in Donizettis »Elisir d'amore«; er blieb nun bis zu seinem Tod als erster Baß-Buffo dort im Engagement. Am 16.2.1892 sang er an der Wiener Hofoper in der Uraufführung von Massenets »Werther« die kleine Partie des Johann. Von den sonstigen Partien, die er dort gesungen hat, sind zu nennen: der Beckmesser in den »Meistersingern«, der Heerrufer im »Lohengrin«, der Papageno in der »Zauberflöte«, der Laërtes in »Mignon« von Thomas, der Hans in Lortzings »Undine«, der Falke wie der Frosch in der »Fledermaus«, der Giacomo wie der Lord in »Fra Diavolo« von Auber, dazu viele kleinere und mittlere Rollen. Seine Tätigkeit an der Wiener Hofoper wurde durch Differenzen des Sängers mit dem Direktor Gustav Mahler, der 1898-1907 das Haus leitete, schwer belastet, doch blieb der Sänger in seinem Engagement.

    Schallplatten: Sieben Titel auf G & T (Wien, 1902), ein Pathé-Zylinder (Wien, 1903).
    [Lexikon: Felix, Benedikt. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 7390 (vgl. Sängerlex. Bd. 2, S. 1107 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    Ich kenne seine Stimme nicht und habe noch keine seiner wenigen Schallplatten gehört. Bekannter und vertrauter ist mir der Tenor Fritz Schrödter, der ebenfalls mit zwei Karten vertreten ist.


    Fritz Schrödter am Bühnentürl 1

    Fritz Schrödter am Bühnentürl 2



    Schrödter, Fritz, Tenor, * 15.3.1855 Leipzig, † 16.1.1924 Wien; besuchte zuerst die Kunstakademie in Düsseldorf, in der Absicht Maler zu werden, ließ dann aber seine Stimme ausbilden. Er begann seine Karriere als Operettensänger bei kleineren Operetten-Gesellschaften in Köln, Hamburg und Bremen. Als er am Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater in Berlin gastierte, hörte ihn Johann Strauß, der ihm 1876 ein Engagement am Nationaltheater von Budapest vermittelte. 1877 kam er als Operettentenor an das Ring-Theater in Wien, studierte dann aber Operngesang bei dem Kapellmeister Stoltz in Prag. Sein Debüt als Opernsänger fand 1879 am Deutschen Theater in Prag statt. Hier blieb der Künstler bis 1886 und trat u.a. als Don Ottavio im »Don Giovanni«, als Herzog im »Rigoletto«, als Enzo in »La Gioconda« von Ponchielli und als David in den »Meistersingern« auf. 1884 gastierte er an der Covent Garden Oper London unter Hans Richter. 1886 wurde er an die Hofoper von Wien berufen; man schätzte ihn in Wien vor allem als Buffo-Tenor, aber auch im lyrischen Fach. Hier sang er in drei Uraufführungen von Opern von Karl Goldmark: am 19.11.1886 in »Merlin«, am 21.3.1896 in »Das Heimchen am Herd«, am 2.1.1900 in »Ein Wintermärchen«, am 6.2.1912 in »Die verschenkte Frau« von Eugen d'Albert, auch 1889 in der Premiere von Webers »Die drei Pintos« in der Neu-Bearbeitung von Gustav Mahler. Von den Partien, die er in Wien übernahm, seien der Tonio in der »Regimentstochter« von Donizetti, der Turiddu in »Cavalleria rusticana«, die Titelrollen in »Fra Diavolo« von Auber und »Alessandro Stradella« von Flotow, der Canio im »Bajazzo«, der Assad in Goldmarks »Königin von Saba« und der Peter Iwanow in »Zar und Zimmermann« von Lortzing genannt. Bis 1915 blieb er Mitglied der Wiener Oper. Er gastierte 1884 am Deutschen Theater Prag, 1890 am Theater von Brünn, 1901 an der Hofoper von München (als David in den »Meistersingern«), 1911 am Opernhaus von Köln (als Eisenstein in der »Fledermaus«). 1898-1900 wirkte er bei den Festspielen von Wiesbaden mit. Am 15.1.1916 sang er am Wiener Raimund- Theater in der Uraufführung der Operette »Das Dreimäderlhaus« von H. Berté den Schubert. Er war gleichzeitig ein hoch angesehener Konzertsänger; so wirkte er in Wien in der Uraufführung von »Das klagende Lied« von Gustav Mahler (17.2.1901) mit. Er lebte nach seinem Abschied von der Bühne als Pädagoge in Wien; er war der Schwiegervater des Bassisten Wilhelm Hesch (1860-1908). Er besaß eine Tenorstimme von besonderer musikalischer Schönheit.

    Schallplatten der Firmen G & T (Wien, 1902) und HMV.
    [Lexikon: Schrödter, Fritz. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 22025 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 3153 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    Als nächstes folgt eine Gruppenaufnahme. Sie zeigt die Sängerin Berta Kiurina mit zwei weiteren, mir unbekannten Personen. An der Wiener Oper gab es eine Sängerin Karoline Skositz, die 1888 bis 1893 in 30 Vorstellungen von "Am Wörthersee" und in 2 Vorstellungen von "Die Pupenfee" auftrat. Vielleicht ist der Herr neben Berta Kiurina ihr Ehemann oder ein Verwandter. Über einen Herrn Abel, rechts halb abgeschnitten mit Hut im Bild, konnte ich nichts herausfinden


    Berta Kiurina mit Skositz und Abel








    Kiurina, Berta, Sopran, * 18.2.1882 Linz/Donau, † 3.5.1933 Wien; sie studierte anfänglich Klavierspiel am Konservatorium der Stadt Wien bei Fischhof, dann Gesang bei Geiringer. Ihr Debüt erfolgte 1904 am Theater ihrer Vaterstadt Linz. Bereits 1905 wurde sie an die Wiener Hofoper (seit 1918 Staatsoper Wien) berufen (Antrittsrolle: Hirtenknabe im »Tannhäuser«), deren Mitglied sie bis 1922 geblieben ist. Hier sang sie u.a. 1910 die Arsena in der ersten Aufführung der Johann Strauß-Operette »Der Zigeunerbaron« an der Wiener Hofoper, 1912 in der Uraufführung der Oper »Die verschenkte Frau« von Eugen d'Albert, 1919 den Ighino in der Erstaufführung von Hans Pfitzners »Palestrina«. 1906 gastierte sie beim Salzburger Mozart-Fest in der Partie des Cherubino in »Figaros Hochzeit«, 1927 sang sie nochmals die gleiche Partie bei den Salzburger Festspielen. Im gleichen Jahr übernahm sie bei diesen Festspielen das Sopransolo in der Missa solemnis von Beethoven. Bis 1927 trat sie noch regelmäßig als Gast an der Wiener Staatsoper auf, u.a. 1926 in der Premiere der Oper »Turandot« von Puccini. Sie gastierte an den Opernhäusern von Brünn (Brno), Zagreb (Agram), Belgrad, Budapest, Triest, Breslau und an der Städtischen Oper Berlin. 1928 hatte sie bei einem längeren Gastspiel am Teatro Colón von Buenos Aires große Erfolge. Auch als Konzertsolistin kam sie zu einer bedeutenden Karriere, wobei sie auch in zeitgenössischen Werken auftrat; so galt sie als hervorragende Interpretin der »Gurrelieder« von A. Schönberg. In erster Ehe war sie mit dem Tenor Hubert Leuer (* 1880 Köln, † 8.3.1969 Wien) verheiratet, der ebenfalls an der Wiener Hofoper engagiert war. - Koloratursopran von besonderer Schönheit; man bewunderte vor allem die mühelose Beweglichkeit der Stimme in den hohen und höchsten Lagen. Sie sang ein Repertoire von ungewöhnlichem Umfang, das neben eigentlichen Koloraturpartien auch die Desdemona in Verdis »Othello«, die Nedda im »Bajazzo« und die Eva in den »Meistersingern« enthielt.

    Schallplatten: Aufnahmen unter den Etiketten von Odeon, Zonophone, Polydor, Polyphon, Parlophon und Ultraphon. Auf Pathé singt sie zwei Duette zusammen mit ihrem Gatten Hubert Leuer (Wien, 1914; die einzigen Aufnahmen seiner Stimme).

    [Nachtrag] Kiurina, Berta; 1922 trat sie in Berlin als Solistin in der Uraufführung der Kantate »Von deutscher Seele« von Hans Pfitzner auf.

    [Lexikon: Kiurina, Berta. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 12596 (vgl. Sängerlex. Bd. 3, S. 1829 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    Der Ehemann von Berta Kiurina war der Tenor Hubert Leuer, hier fälschlich als Hubert LEIER bezeichnet.

    Beim Bühnentürl: Hubert Leuer



    Leuer, Hubert, Tenor, * 12.10.1880 Köln, † 8.3.1969 Wien; er erhielt seine Ausbildung zum Sänger am Konservatorium seiner Heimatstadt Köln. Seine Stimme wurde durch den berühmten Direktor der Wiener Hofoper Gustav Mahler entdeckt, der ihn 1904 an dieses Haus verpflichtete. Nach seinem dortigen Debüt als David in den »Meistersingern« blieb er bis 1920 Mitglied der Hof- und späteren Staatsoper Wien, an der er noch bis 1932 immer wieder als Gast in Erscheinung trat. 1926-27 war er an der Wiener Volksoper, 1927-30 am Opernhaus von Leipzig engagiert. Häufige Gastspiele am Opernhaus von Brünn (Brno, 1908-32), 1915 auch am Deutschen Theater Prag. Nachdem er zuerst in lyrischen Partien aufgetreten war, ging er in das heldische Stimmfach über und wurde als Titelheld in Verdis »Othello« als Herodes in »Salome« wie als Menelas in der »Ägyptischen Helena« von R. Strauss, als Cavaradossi in »Tosca«, vor allem aber als Wagner-Interpret (Titelfiguren in »Tristan«, »Rienzi«, »Parsifal«, Siegfried im Nibelungenring) bekannt. Ausgedehnte Gastspiele brachten dem Künstler an der Nationaloper Budapest, in Berlin, Barcelona und Graz wie an vielen anderen Bühnen Erfolge. Seine Gattin war die bekannte Koloratursopranistin Berta Kiurina (1882-1933), die ebenfalls zu den führenden Sängerpersönlichkeiten der Wiener Oper zählte. Ein Sohn aus dieser Ehe, Hubert Leuber-Kiurina, war als Schauspieler in Deutschland und Österreich tätig.

    Die Stimme von Hubert Leuer ist durch zwei Pathé Schallplattenaufnahmen überliefert (Duette mit Berta Kiurina).
    [Lexikon: Leuer, Hubert. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 14261 (vgl. Sängerlex. Bd. 3, S. 2055 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    Marie Gutheil-Schoder ist die nächste Sängerpersönlichkeit, die am Bühnentürchen abgebildet ist.



    Am Bühnentürl: Marie Gutheil-Schoder


    Gutheil-Schoder, Marie, Sopran, * 16.2.1874 Weimar, † 4.10.1935 Ilmenau (Thüringen); sie wár die Tochter eines Gastwirts in Weimar; mit zwölf Jahren sang sie bereits ein Solo in einem Konzert in Weimar. Sie besuchte die Großherzogliche Musikschule in Weimar und war dort auch Schülerin von Virgina Naumann-Gungl. Weitere Ausbildung durch Fedor von Milde; einige Opernpartien studierte sie mit Richard Strauss ein. Sie debütierte 1891 am Hoftheater von Weimar als 1. Dame in der »Zauberflöte«, wurde aber dort in den ersten Jahren nur in kleinen Rollen eingesetzt und sang 1891 im Bayreuther Festspiel- Chor. Dann hatte sie aber 1895 in Weimar einen entscheidenden Erfolg als Carmen. 1899 gastierte sie in Leipzig (als Nedda im »Bajazzo«, als Santuzza in »Cavalleria rusticana« und als Frau Fluth in den »Lustigen Weibern von Windsor«), Berlin und Wien. 1900 wurde sie durch Gustav Mahler (der sie als »musikalisches Genie« bezeichnete) an die Wiener Hofoper berufen und wurde nun eine der beliebtesten Sängerinnen dieses traditionsreichen Opernhauses. Sie sang hier in mehreren wichtigen Premieren: 1908 die Martha in »Tiefland« von d'Albert, 1909 die Titelrolle in »Elektra« von R. Strauss, 1911 den Octavian im »Rosenkavalier«. 1904 übernahm sie in Wien die Titelrolle in Glucks »Iphigenie in Aulis«, 1910 wirkte sie dort in der Uraufführung der Oper »Der Musikant« von Julius Bittner mit, 1912 in der von Eugen d'Alberts »Die verschenkte Frau«, 1914 in der von »Notre Dame« von Franz Schmidt. Beim Salzburger Mozart-Fest von 1906 trat sie als Susanna in »Figaros Hochzeit« auf. 1902-10 gastierte sie oft am Opernhaus von Frankfurt a.M. Sie setzte sich unermüdlich für die zeitgenössische Musik ein und sang bereits 1908 Werke von Arnold Schönberg in dessen »Verein für musikalische Privataufführungen«. 1908 sang sie in Wien das Sopransolo in Schönbergs zweitem Streichquartett. Am 6.6.1924 gestaltete sie dessen Monodrama »Erwartung« in der Uraufführung am Deutschen Theater Prag. 1924 führte sie Schönbergs »Pierrot lunaire« bei einer Aufführung des Werks in Berlin zum entscheidenden Erfolg. Bis zum Jahre 1926 ist die gefeierte Künstlerin in Wien bewundert worden, wo sie sich in der Partie der Elektra von Richard Strauss von ihrem Publikum verabschiedete. Sie betätigte sich an der Wiener Oper wie auch bei den Festspielen von Salzburg als verdiente Opern-Regisseurin (1926 »Don Giovanni«, 1930 »Iphigenie in Aulis« von Gluck). 1913 Gastspiel an der Covent Garden Oper London als Octavian. - In erster Ehe war sie mit dem Dirigenten Gustav Gutheil (1868-1914), in zweiter mit dem Fotografen Franz Setzer verheiratet. - Musikalisch vortrefflich gebildete, ausdrucksstarke Sopranstimme, die Partien aus allen Bereichen der Opernliteratur zu meistern wußte; bedeutend auch als Konzertsopranistin. Auf der Bühne zumal als Carmen, als Pamina, als Elektra, als Cherubino in »Figaros Hochzeit«, als Donna Elvira, als Octavian im »Rosenkavalier« wie als Komponist in »Ariadne auf Naxos« bewundert worden. Eine der großen Darstellerinnen unter den Sängerinnen ihrer Generation.

    Ihre Stimme ist durch sieben sehr seltene Schallplatten der Marke G & T (Wien, 1902) überliefert.

    [Nachtrag] Gutheil-Schoder, Marie, * 16.2.1874 Weimar; Gastspiele der Sängerin fanden an der Berliner Hofoper (1900, 1923 an der Staatsoper Berlin als Elektra), an den Hofopern von München (1909-19) und Dresden (1916), am Deutschen Theater Prag (1900-1906) sowie am Stadttheater von Basel (1917) statt. Sie wurde zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper ernannt. 1921 trat sie in Kopenhagen in Schönbergs »Pierrot lunaire« auf. Aus ihrem Repertoire für die Opernbühne sind die Despina in »Così fan tutte«, die Frau Fluth in Nicolais »Lustigen Weibern von Windsor«, die Venus im »Tannhäuser«, die Elsa im »Lohengrin«, die Katharina in »Der Widerspenstigen Zähmung« von H. Goetz, die Baronin im »Wildschütz« von Lortzing, die Maliella im »Schmuck der Madonna« von E. Wolf-Ferrari, die Manon in der gleichnamigen Oper von Massenet, die vier Frauenrollen in »Hoffmanns Erzählungen«, die Louise von Charpentier und der Page Urbain in den »Hugenotten« von Meyerbeer zu nennen.


    [Lexikon: Gutheil-Schoder, Marie. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 9863 (vgl. Sängerlex. Bd. 2, S. 1455 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    Nicht nur am Operntheater, sondern auch an anderen Wiener Theatern standen die frühen Paparazzi bereit, um die Stars in einem privaten Moment abzulichten. Hier ist die Operettensängerin Gerda Walde zu sehen, die am Wieder Orpheum auftrat.








    Auch am Schauspiel wurden die Stars fotografiert, wenn sie aus dem Theater kamen - hier der Schauspieler Otto Tressler. (Dieses Bild habe ich im Internet gefunden. Die Qualität der Reproduktion ist nicht so gut wie bei den anderen.)






    Burgtheater Bühnentürl: Schauspieler Otto Tressler

    Auch die letzte Karte stammt aus dem Internet und zeigt eine Operetten-Diva. Mizzi Günther sitzt in ihrem Automobil am Ausgang des Theater an der Wien und wartet auf ihren Fahrer - eine sehr schöne Karte und sogar handsigniert. Ich hätte sie gerne erworben, aber sie war mir letztendlich dann doch zu teuer...




    Beim Theater an der Wien: Mizzi Günther


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  • 04/07/17--12:38: In Wien am Bühnentürl (3)

  • Hier kommen noch einmal drei Bilder aus der Serie "Am Bühnentürl", die ich in den letzten Wochen gefunden habe. Das erste zeigt den Tenor und Regisseur August Stoll (vermutlich der Mann mit der Zigarre).


    Am Bühnentürl: Prof. August Stoll







    Stoll, August, Tenor, * 3.1.1853 Hermannstadt (Sibiu in Siebenbürgen), † 12.7.1918 Wien; er war der Sohn des Tenors Peter Stoll, (1813-88) der 33 Jahre lang als erster Tenor in Budapest wirkte und auch in Wien gastiert hatte. Ursprünglich sollte August Stoll Theologie studieren, doch wandte er sich dem Theater zu, wobei er durch seinen Vater ausgebildet wurde. Er debütierte 1869 als Chorsänger am Theater von Laibach (Ljubljana) und war dann als Schauspieler und Operettensänger in Bozen, Preßburg (Bratislava), Olmütz (Olomouc), schließlich am Wiener Carl-Theater tätig. Er ging darauf wieder nach Laibach zurück, jetzt aber als Opernsänger, und wirkte 1873-75 in Graz auf den Gebieten des Opern- wie des Operettengesangs. 1875 kam er an das Deutsche Theater Prag und hatte bereits in seiner Antrittsrolle, dem Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, einen sensationellen Erfolg. Er sang in den folgenden Jahren dort eine Vielzahl von Partien, darunter auch Aufgaben aus dem heldischen Fach wie den Assad in der »Königin von Saba« von Goldmark und den Titelhelden in Wagners »Rienzi«. Wegen Überanstrengung seiner Stimme mußte er seine Karriere unterbrechen, trat aber 1884 in Prag wieder in Millöckers »Bettelstudent« auf. Noch im gleichen Sommer 1884 folgte er einem Ruf an das Theater an der Wien in Wien. Seine Erfolge an dieser Bühne waren so überzeugend, daß er im Winter 1888 an die Wiener Hofoper verpflichtet wurde, an der sein José in »Carmen« großes Aufsehen erregte. 1885 übertrug man ihm an der Hofoper die Inszenierung von Maillarts »Glöckchen des Eremiten« (»Les dragons de Villars«); seitdem war er an der Wiener Hofoper als Regisseur beschäftigt, sang aber auch noch kleinere Partien. 1890-1901 war er Professor am Wiener Konservatorium, zugleich auch Solist der Kaiserlichen Hofkapelle. Er komponierte mehrere kleinere Vokalwerke und eine Operette »Die Georginen«. - In erster Ehe war der Künstler mit der Sopranistin Josefine Stoll-Siegmund († 15.2.1896 Wien) verheiratet, die vor allem am Opernhaus von Brünn (Brno) in Soubrettenpartien auftrat. Seine Schwester Gisela Stoll (* 1867) brachte es als dramatische Sopranistin zu einer erfolgreichen Karriere.
    [Lexikon: Stoll, August. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 23396 (vgl. Sängerlex. Bd. 5, S. 3356 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    Das zweite Bild zeigt den Tenor Arthur Preuss, der ebenso wie Fritz Schrödter als Tenor an der Wiener Oper wirkte.

    Beim Operntheater Bühnentürl: Arthur Preuss



    Preuss, Arthur, Tenor, * 23.2.1878 Königsberg (Ostpr.), † 20.8.1944 Wien; ausgebildet in Berlin durch Benno Stolzenberg und durch Franz Krolop. Er wurde durch Gustav Mahler an die Wiener Hofoper berufen, an der er 1899 debütierte. Er spezialisierte sich dort auf das Buffo-Fach. Beim Wiener Opernpublikum wurde er ungewöhnlich beliebt. 1906 sang er beim Salzburger Mozart-Fest, am 2.1.1908 an der Wiener Hofoper in der Uraufführung von Goldmarks »Ein Wintermärchen«, am 14.4.1910 in der von Julius Bittners »Der Musikant«, am 6.2.1912 in der Uraufführung von »Die verschenkte Frau« von Eugen d'Albert. Bis 1915 blieb er an der Wiener Hofoper und gastierte während dieser Zeit an der Oper von Köln. 1915 wechselte er an die Volksoper in Wien. Hier feierte man ihn 1916 in der Uraufführung der Operette »Dreimäderlhaus« von Berté in der Partie des Schubert. Zu seinen großen Opernpartien gehörten der David in den »Meistersingern«, der Jacquino im »Fidelio«, der Wenzel in der »Verkauften Braut« von Smetana, der Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«, der Benjamin in »La Poupée de Nuremberg« von A. Adam und der Dickson in »La Dame blanche« von Boieldieu. Große Erfolge auch als Konzert-Tenor und als Interpret zeitgenössischer Vokalmusik; so sang er 1919 die »Gurrelieder« von Schönberg in Wien. Bis 1930 gastierte er noch an der Wiener Volksoper und trat im Österreichischen Rundfunk sowie bei Konzerten auf. Er betätigte sich auch selbst als Komponist und schrieb u.a. Filmmusik, Lieder und andere vokale Werke. Er wirkte in Wien auch als Pädagoge. Das Ende des Künstlers gestaltete sich tragisch. Er brach während eines Gestapo-Verhörs in Wien (bei dem es sich um seinen Sohn handelte, der als Widerstandskämpfer im Untergrund wirkte) tot zusammen. Wenige Wochen später wurde sein Haus in Wien bei einem Bombenangriff zerstört, wobei seine Gattin den Tod fand.

    Seine klangschöne, ausdrucksgewandte Stimme ist durch Schallplatten der Marken G & T (Wien, 1905-07) und HMV (Wien, 1905-13) erhalten.
    [Lexikon: Preuss, Arthur. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 19612 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 2803 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    Zuletzt noch ein weiteres, drittes  Foto des im letzten Beitrag vorgestellten Bassisten Benedikt Felix (1860-1912). Auch hier raucht er wieder...


    Beim Operntheater Bühnentürl:Benedikt Felix (3)










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  • 07/20/17--07:32: In Wien am Bühnentürl (4)
  • Mein Bruder hat früher immer gesagt: "Wenn Du zwei Sachen von etwas hast, dann fängst du an, es zu sammeln!" Ganz recht hat er damit nicht, aber ich gebe zu, dass ich ein typischer Sammler bin und das "immer mehr Dazufinden" mir großes Vergnügen bereitet. So ging es mir auch mit den Bühnentürl-Bildern: zuerst einzelne durch Zufall mal mitgenommen, dann gezielt gesucht und nun: Welten tun sich auf. Es gibt doch mehr Bilder von dieser Art, als ich zuerst gedacht habe. Weiterhin schätze ich den Charme dieses Bilder-Genres: die ungestellten Portraits, die spontan eingefangenen Situationen - auch wenn manche Bilder technisch und kompositorisch eher schlecht sind und man nicht viel darauf erkennen kann. Auf jeden Fall strahlen sie die Freude aus, den bewunderten Star mal auf der Strasse gesehen und ein bisschen belauscht zu haben.

    Hier kommen weitere Beispiel, die ich in der letzten Zeit gefunden habe. Sie führen zurück in die Zeit in Wien, als Gustav Mahler Operndirektor war (1897-1907). Ich weiss nicht, ob es auch Bühnentürl-Ansichtskarten von Gustav Mahler gab. Unter der überschaubaren Anzahl von verschiedenen Mahler-Fotografien in der der Literatur und in Biografien gibt es mindestens ein Bild, das Gustav Mahler auf der Strasse zeigt. Es könnte aus der Serie stammen - die Suche geht für mich als Sammler also weiter...
    Die Abbildung stammt aus dem Buch von Jens Malte FISCHER: Gustav Mahler, Der fremde Vertraute (2003). Lizenzausgabe Zweitausendeins, S. 541.

    Gustav Mahler ca. 1904 auf der Straße (Opernplatz?)


    Doch nun zu den neuen Karten. Die erste zeigt Anton Schittenhelm, der hauptsächlich kleinere Rollen an der Wiener Oper sang, dafür in Fülle und über viele Jahre (1875 - 1903) . Einen Wilhelm Schittenhelm gab es nicht an der Wiener Oper, und so wird wohl Anton abgebildet und falsch bezeichnet sein - was bei den Bühnentürl Karten noch an anderer Stelle ebenfalls vorkam (Leier statt Leuer).

    Vermutlich Anton (statt Wilhelm) Schittenhelm am Bühnentürl


    Schittenhelm, Anton, Tenor, * 14.2.1849 Olbersdorf (Österreichisch-Schlesien), † 14.3.1923 Wien; er trat als Lehrling in ein Bankhaus ein und arbeitete dort als Effektenkassierer. In einem Wiener Männergesangverein wurde seine Stimme entdeckt und durch die Pädagogen Ruff und Friedrich Schmitt ausgebildet. Im Januar 1875 trat er in Wien als Solist bei einer Aufführung der Faust-Sinfonie von Liszt erstmals öffentlich auf. Im Juni des gleichen Jahres debütierte er an der Wiener Hofoper als Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«. 27 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1903 blieb er ununterbrochen als Mitglied diesem großen Opernhaus verbunden. Sang er im Anfang seiner Karriere dort zumeist kleinere Partien, so wurden ihm später auch Rollen wie der Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, der Lorenzo in »Fra Diavolo« von Auber, der Max im »Freischütz«, der Konrad in »Hans Heiling« von Marschner, der Alfonso in »La Muette de Portici« und der Don Alvaro in »L'Africaine« von Meyerbeer übertragen. Er wirkte auch an der Wiener Hofoper in der Uraufführung einer Oper von Johann Strauß, »Ritter Pazmán«, mit (1.1.1892). Der auch als Konzertsänger bekannte Künstler galt als eins jener vielseitigen Ensemblemitglieder wie sie für den Opernbetrieb unentbehrlich sind. Er starb nach langer schwerer Krankheit 1923 in Wien.
    [Lexikon: Schittenhelm, Anton. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 21706 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 3105 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    Nicht besonders gut zu erkennen ist auf dem nächsten Bild der Tenor Georg Maikl, der seit 1904 an der Hofoper in Wien sang und mit zu den Weltrekordhaltern im Punkt Karrierelänge gehört. Ich habe unten bei den Zitaten aus dem Sängerlexikon einige Passagen hervorgehoben, die sich darauf beziehen. Dann folgt noch ein anderes Bild von ihm, damit man auch mal sein Gesicht erkennen kann.



    Georg Maikl am Bühnentürl


    Maikl, Georg, Tenor, * 4.4.1872 Zell an der Ziller, † 22.8.1951 Wien; sein Vater war ein bekannter Tiroler Jodler, und auch er trat zuerst in einer Jodler- Gruppe auf. Seine Stimme wurde durch den berühmten Impresario Bernhard Pollini in Prag entdeckt und durch Anton Hromada in Stuttgart ausgebildet. Pollini hatte ihn bereits für das von ihm geleitete Hamburger Stadttheater verpflichtet, starb aber vor Beginn des Engagements, so daß Georg Maikl 1899 in Mannheim als Tamino in der »Zauberflöte« debütierte. Nachdem er in Mannheim große Erfolge gehabt hatte, wurde er 1904 an die Wiener Hofoper (seit 1918 Staatsoper Wien) berufen, an der er 40 Jahre lang in insgesamt hundert Partien und in 2160 Vorstellungen aufgetreten ist. Bei den Salzbuger Mozart- Festen von 1906 und 1910 sang er den Don Ottavio im »Don Giovanni«. Auch bei den späteren Salzburger Festspielen trat er immer wieder hervor. Hier wirkte er 1922 als Don Ottavio im »Don Giovanni« und als Belmonte in der »Zauberflöte«, 1926 als Tanzmeister und als Brighella in »Ariadne auf Naxos«, 1936-38 als Kunz Vogelsang in den »Meistersingern«, 1937 als Ägisth in »Elektra« und mehrfach in Konzerten (u.a. 1936 in dem Oratorium »Christus« von F. Liszt) mit. Seine Karriere gehört zu den längsten, die ein Sänger überhaupt gehabt hat. Bis 1944 sang er an der Wiener Staatsoper, wirkte dort aber noch 1950 in einer kleinen Partie in Hans Pfitzners »Palestrina« mit. Er sang an der Wiener Oper auch in der Uraufführung der neu bearbeiteten Richard Strauss Oper »Ariadne auf Naxos« (4.10.1916), 1930 in der Premiere des »Wozzeck« von A. Berg, bereits 1907 den Pinkerton in der Wiener Premiere von Puccinis »Madame Butterfly«, am 1.4.1914 in der Uraufführung von »Notre Dame« von Franz Schmidt, am 20.1.1934 in der Uraufführung der Lehár-Operette »Giuditta«, am 8.12.1934 in der der Oper »Das Veilchen« von Julius Bittner. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem Wiener Zentralfriedhof. Seine Tochter Lieselotte Maikl (* 1925) wirkte als Sopranistin an der Staatsoper Wien. - Schöne, ausdrucksvolle Tenorstimme, auf dem Höhepunkt seiner Karriere vor allem im lyrischen Stimmfach bedeutend.

    Aufnahmen auf Favorite (Wien, 1905-06, 1908), Lyrophon (Wien, 1905-06), Columbia (Wien, 1905-06), HMV (Wien 1910; 1915 u.a. in einem Quartett zusammen mit Hans Breuer, Carl Rittmann und Lorenz Corvinus), Odeon (Wien, 1906) und Pathé. Elektrische Aufnahmen auf Columbia (9. Sinfonie von Beethoven unter Weingartner), auf Toscanini Edition (»Meistersinger« aus Salzburg, 1937). Auf KochSchwann (Archivaufnahmen der Wiener Staatsoper) erschien die Narraboth-Szene aus »Salome« von R. Strauss mit Maria Jeritza von 1933, außerdem eine »Meistersinger«-Aufnahme mit ihm als Kunz Vogelsang.

    [Nachtrag] Maikl, Georg; er gastierte an den größeren Theatern in Österreich und Deutschland, u.a. in Stuttgart, Wiesbaden, Brünn, Prag und an der Komischen Oper Berlin. Er sang an der Wiener Oper in weiteren Premieren, so 1911 den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«, 1918 den Narraboth in »Salome« von R. Strauss, 1921 den Victorin in »Die tote Stadt« von Korngold. In seinem Repertoire für die Bühne fanden sich auch der Lyonel in Flotows »Martha«, der Châteauneuf in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, der Manrico im »Troubadour«, der Alfredo in »La Traviata«, der Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«, der Fra Diavolo von Auber und der Thibaut im »Glöckchen des Eremiten« (»Les dragons de Villars«) von Maillart. Die Stadt Wien ließ den beliebten Sänger, der seit 1941 Ehrenmitglied der Staatsoper war, in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof bestatten.

    [Lexikon: Maikl, Georg. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 15094 (vgl. Sängerlex. Bd. 3, S. 2167 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]

    So sieht Georg Maikl in seiner Rolle als Tamino aus:

    Georg Maikl als Tamino


    Die nächste Karte trägt keine Bezeichnung, vielleicht weil damals jeder wusste, wer abgebildet war. Mir kam der Mann auf dem Bild auch irgendwie bekannt vor, und ich habe immer wieder überlegt woher, bis mich eines Tages der Gedanke durchzuckte: (im Wiener Dialekt zu sprechen) "Geh her! das ist doch der - SLEZAK!"




    Das ist doch der Slezak...



    Nach weiteren Vergleichen, unter anderem mit einem Privatfoto von ihm, das ich gerade bekommen habe, bin ich mir nun (ziemlich) sicher, dass das Bild oben Leo Slezak zeigt. Ich wusste zwar nicht, dass er manchmal eine Brille trug, aber sonst stimmt alles: die großgewachsene massige Gestalt, das ausgestrahlte Selbstbewusstsein, der Blick und die Art, leicht ironisch in die Welt zu schauen. Ich schätze, das dieses Bild aus der Zeit nach 1910 stammt und damit das späteste der hier diesmal gezeigten Bilder ist. Das Privatfoto aus München aus ungefähr der gleichen Zeit zeigt nach einer alten Aufschrift auf der Rückseite von links nach rechts: Max Gillmann, Berta Morena und Leo Slezak


    Gillmann, Morena und Slezak in München 



    Die nächste Karte ist wieder ein Schnappschuss, auf dem man nicht viel erkennen kann. Laut Betitelung zeigt er die Sängerin Marie Gutheil-Schoder (im Gespräch mit zwei Herren). Sie ist mit einem besseren Portrait bereits in der zweiten Folge der Bühnentürl-Bilder hier in diesem Blog vertreten gewesen und dort auch beschrieben worden.



    Beim Bühnentürl: Marie Gutheil-Schoder (2)

    Auch Berta Förster-Lauterer war in der ersten Folge der Bühnentürl-Bilder schon mit einem Bild mit weißem Kleid in sommerlicher Kleidung vertreten. Hier folgt noch ein Bild aus dem Winter (mit umgehängtem Muff, einem Kleidungsstück, das heute nicht mehr in Mode ist).
    Franz Spetrino (ist es der Herr neben ihr oder der kleinere Mann mit dem Stock?) war in der Zeit von Januar 1904 bis August 1908 Dirigent an der Wiener Oper und leitete eine Reihe von Vorstellungen. Damit kann man das Bild zeitlich eingrenzen. Genauer bekommt man es nicht hin. Über das Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper ( https://archiv.wiener-staatsoper.at/ ) habe ich herausbekommen, dass die einzige Oper, die sowohl Berta Förster-Lauterer gesungen als auch Franz Spetrino dirigiert haben, die Oper "Die verkaufte Braut" war. Allerdings sang Berta Förster-Lauterer diese Rolle am einzigen Termin, an dem Spetrino diese Oper dirigierte, nämlich dem 6.März 1906, nicht, sondern erst im Mai 1906 wieder.







    Foerster-Lauterer, Berta, Sopran, * 11.1.1869 Prag, † 9.4.1936 Prag; sie war die Tochter eines Prager Kaufmanns. Sie war Schülerin von Antonia Plodková und von Tauwitz in Prag. Sie debütierte 1888 unter dem Namen Berta Lautererová (nach ihrer Heirat Foerstrová-Lautererová) am Nationaltheater von Prag als Agathe im »Freischütz«. Dort hatte sie auch als Sulamith in Goldmarks »Königin von Saba« und als Pamina in der »Zauberflöte« große Erfolge. 1890 heiratete sie den Komponisten Joseph Bohuslav Foerster (1859-1951). 1892 gastierte sie mit dem Ensemble der Prager Oper anläßlich der Weltausstellung in Wien. Hier bewunderte man sie als Xenia in »Dimitrij« von Dvorák. Am 12.2.1889 sang sie an der Oper von Prag in der Uraufführung von Dvoráks »Jakobiner« die Partie der Julia. Sie sang auch in den Prager Premieren von Verdis »Othello« (1888) und Tschaikowskys »Eugen Onegin« (1888), letztere in Anwesenheit des Komponisten. Bis 1893 blieb sie in Prag und wirkte dann 1893-1901 sehr erfolgreich am Stadttheater (Opernhaus) Hamburg, wo sie zuvor als Mignon von A. Thomas und als Marguerite im »Faust« von Gounod gastiert hatte. 1901 folgte sie einem Ruf an die Hofoper von Wien. Sie gehörte zu den großen Sängerpersönlichkeiten der Gustav Mahler-Epoche der Wiener Hofoper und brillierte hier als Adalgisa in »Norma«, als Euryanthe, als Lisa in »Pique Dame«, als Nedda, als Sulamith in der »Königin von Saba«, als Mignon, als Sieglinde in der »Walküre« und als Frasquita im »Corregidor« von Hugo Wolf. Cosima Wagner lud die Sängerin nach Bayreuth ein, doch konnte sie der Einladung nicht Folge leisten. Weitere Gastspiele in Berlin und München. 1914 gab sie ihre Bühnenlaufbahn auf. Sie lebte seitdem in Prag. Aus ihrem umfangreichen Bühnenrepertoire sind die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, die Carmen, die Elsa im »Lohengrin«, die Eva in den »Meistersingern«, die Frau Dot in Goldmarks »Heimchen am Herd«, die Marie im »Waffenschmied« von Lortzing, die Frau Fluth in Nicolais »Lustigen Weibern von Windsor« und die Marie in der »Verkauten Braut« von Smetana nachzutragen. - Man bewunderte die Klangschönheit ihrer Stimme ebenso wie die Wärme und die künstlerische Reife ihres Vortrages.

    Von ihr existieren acht seltene Aufnahmen auf G & T (Wien, 1903); einige Titel auf Odeon und Jumbo, darunter auch tschechische Lieder.
    [Lexikon: Foerster-Lauterer, Berta. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 7807 (vgl. Sängerlex. Bd. 2, S. 1169 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    Liste der von Franz Spetrino dirigierten Vorstellungen aus dem Spielplanarchiv der Wiener Oper


    Damit wäre ich mit den neuen Karten über die Wiener Hofoper am Ende. Zwei weitere Karten aus Wien möchte ich hier noch präsentieren. Sie zeigen die Operettensängerin Mizzi Zwerenz vor oder besser hinter dem Carltheater in Wien. Dort war sie seit 1901 engagiert. Beide Fotos stammen wohl von Ende 1906. In diesem Jahr wurde die Operette "Künstlerblut" von Edmund Eysler mit Mizzi Zwerenz und Alexander Girardi am 20.Oktober im Carltheater uraufgeführt. Die abgebildeten Plakate weisen auf diese Vorstellungen hin.



    Mizzi Zwerenz am Bühnentürl Carltheater ca. 1906 (1)

    Mizzi Zwerenz am Bühnentürl Carltheater ca. 1906 (2)



    Zwerenz, Mizzi, Sopran, * 13.7.1876 Pöstyn (Pistyan, Ungarn), † 14.6.1947 Wien; ihr Vater, Carl Ludwig Zwerenz, war Schauspieler und später Theaterdirektor an verschiedenen Theatern in der österreichisch-ungarischen Monarchie, u.a. in Bozen, Meran, Iglau, Teplitz, Hall in Oberösterreich (wo 1880 Gustav Mahler seine Dirigentenlaufbahn unter ihm begann) und Preßburg (Bratislava); ihre Mutter war Operettensängerin. Sie war eine Urenkelin des Burgschauspielers Karl Ludwig Costenoble (1769-1837). Ihre Ausbildung erfolgte durch die berühmte Pädagogin Rosa Papier-Paumgartner in Wien. Sie betrat erstmals die Bühne 1897 in Baden bei Wien und kam schnell zu einer großen Karriere als Operettensoubrette. Nachdem sie am Friedrich Wilhelmstädtischen Theater in Berlin 1900-1901 sehr erfolgreich aufgetreten war, berief man sie 1901 an das Wiener Carl- Theater. Hier erreichte ihre Karriere in einer fast zwanzigjährigen Dauer (bis 1923 mit Unterbrechungen) ihren Höhepunkt; sie gehörte zu den beliebtesten Operettensängerinnen der Donaumetropole. Nachdem sie 1915-18 am Wiener Apollo-Künstlertheater und 1919-21 am Wiener Komödienhaus aufgetreten war, kam sie wieder an das Carl-Theater zurück und setzte dort 1921-23 ihre glänzende Karriere fort. 1923 wechselte sie an das Theater an der Wien, wo ihre Künstlerlaufbahn, zuletzt im Rahmen von Gastspielen, 1936 zum Ausklang kam. Zwischendurch hatte 1926-27 ein kurzes Engagement am Wiener Stadttheater bestanden. 1908 gastierte sie in Graz, 1906 am Stadttheater von Brünn (Brno), seit 1906 oftmals am Deutschen Theater Prag, 1928 am Gärtnerplatztheater München. Zu den Glanzrollen der Sängerin, die auch als hervorragende Schauspielerin galt, gehörten die Adele in der »Fledermaus«, die Titelrolle in »Sissy« von F. Kreisler, vor allem aber die Franzi Steingruber in »Ein Walzertraum« von Oscar Straus; letztere Partie hatte sie auch am 2.3.1907 in der Uraufführung der Operette am Carl-Theater gesungen. Sie wirkte in vielen weiteren Operetten-Uraufführungen mit, u.a. in »Das süße Mädel« von H. Reinhardt (Carl-Theater 1901), »Fesche Geister« von C.M. Ziehrer (1905 Sommertheater »Venedig« in Wien), »Die Schützenliesl« von E. Eysler (1905), »Künstlerblut« ebenfalls von E. Eysler (1906), »Die geschiedene Frau« von Leo Fall (1908), »Zigeunerliebe« von Franz Lehár (8.1.1910), »Polenblut« von O. Nedbal (1913) - die letztgenannten fünf alle im Carl Theater. Am Theater an der Wien hörte man sie in den Uraufführungen der »Zirkusprinzessin« von E. Kálmán (26.3.1926) und in E. Eyslers »Die gold'ne Meisterin« (13.9.1927). - Sie war verheiratet mit dem Gesangs- und Charakterkomiker Arthur Guttmann (* 1.7.1877 Wien, † 3.6.1956 Wien), der einer Schauspielerfamilie angehörte, 1896 seine Karriere in Budweis (Ceské Budejovice) begann und schließlich an den großen Wiener Operettentheatern, teilweise Auftritte zusammen mit seiner Gattin (u.a. auch in der Uraufführung des »Walzertraums«), bekannt wurde. Ihr Sohn, Fritz Zwerenz (1895-1970), wirkte als Dirigent an verschiedenen Operettentheatern.

    Die Stimme von Mizzi Zwerenz, die neben Louise Kartousch die große Diva des »silbernen Zeitalters« der Wiener Operette war, erscheint auf G & T (Wien, 1902-07), später auf HMV-Schallplatten (seit 1908), elektrische Aufnahmen auf Kalliope; auch von Arthur Guttmann existieren Aufnahmen auf G & T und HMV.
    [Lexikon: Zwerenz, Mizzi. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 26619 (vgl. Sängerlex. Bd. 5, S. 3826 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    Carltheater, aus: Wiener Theateralmanach 1902



    Zuletzt noch ein schönes Foto, das nicht aus Wien stammt, sondern aus Graz. Es zeigt die ehemalige Operetten- und damals angehende Opernsängerin Anny Münchow am Hintereingang des Theaters, wo sie engagiert war. Sie schaut, wie auf vielen Fotos von ihr, mit hellen, offenen, strahlenden Augen in die Kamera. Ihre Präsenz und Kommunikationsfähigkeit mit dem Publikum drückt sich in diesem Foto aus. Neben ihr steht melancholisch der alte Portier und raucht sich eine Zigarette, während im Hintergrund Menschen aus dem Publikum schauen, was denn da wohl fotografiert wird. Ein gelungener Schnappschuss!



    Anny Münchow live (1)


    Münchow, Anny, Sopran, * 6.11.1888 Berlin, † 6.5.1968 Berlin; ihr eigentlicher Name war Anny Münchmeier. Sie begann ihre Bühnenkarriere am Theater von Teschen (Cieszyn), wo sie 1910-11 auftrat. 1911 war sie in Breslau, 1912-13 in Meran, 1913-14 in Nürnberg engagiert. Zu Beginn ihrer Karriere sang sie vornehmlich Operettenpartien und kleinere Soubrettenrollen. 1914-20 trat sie am Theater von Graz in großen Opernpartien auf. 1920 gastierte sie am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg als Myrtocle in der dortigen Premiere der Oper »Die toten Augen« von d'Albert. Der Erfolg war so überzeugend, daß sie sogleich an die Hamburger Oper engagiert wurde. Hier sang sie dann am 4.12.1920 in der Uraufführung von Korngolds »Die tote Stadt« die Partie der Marietta (am gleichen Abend fand noch eine zweite Uraufführung der Oper in Köln statt). Bis 1933 gehörte sie als führendes Mitglied dem Hamburger Ensemble an und vertrat hier vor allem das dramatische wie das Wagner-Fach. Ihre großen Rollen waren die Senta im »Fliegenden Holländer« (die sie 1933 als letzte Partie in Hamburg sang), die Aida, die Elektra in der gleichnamigen Richard Strauss-Oper, die Salome, ebenfalls von Richard Strauss, die Martha in »Tiefland« von d'Albert, die Venus im »Tannhäuser« und die Brünnhilde im Ring-Zyklus. Sie gastierte mit großem Erfolg an den Staatsopern von Berlin und Wien.

    Leider sind von ihrer Stimme keine Schallplattenaufnahmen vorhanden.
    [Lexikon: Münchow, Anny. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 17256 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 2461 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]




    Und weil es so schön ist, hier noch ein weiteres lebendiges Foto von Anny mit einem unbekannten Herrn. Und damit soll es für heute genug sein!

    Anny Münchow live (2)






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    Als ich in den letzten Jahren begann, verstärkt Fotos von Opernsängern auf Ansichtskarten zu sammeln, stieß ich immer wieder auf Karten, die mir von der Ästhetik und Klarheit her besonders gefielen und sehr oft aus dem Verlag Hermann Leiser kamen. Zudem sind sie durch eine vierstellige Nummerierung leicht zu identifizieren und einzuordnen. Beim Versuch, etwas näheres über diesen Verlag herauszufinden, war ich jedoch wenig erfolgreich. Deshalb schreibe ich nun diesen Artikel, um vielleicht Leser anzuregen, weitere Informationen auszutauschen. Vielleicht gibt es ja eine Sammlerszene für Ansichtskarten, in der schon mehr Informationen bekannt sind, als man im Internet bei normaler Recherche finden kann. Als relativer Neuling auf diesem Gebiet möchte ich hier meine spärlichen Erkenntnisse einmal referieren und in der Folge in einer Artikelserie einige schöne Karten aus dem Verlag Hermann Leiser aus meiner gegenständlichen (Karten, die ich selbst besitze) und virtuellen (kopierte Bilder aus dem Internet) Sammlung vorstellen. Insbesondere interessiere ich mich für die zeitliche Einordnung der Karten.

    2662 Blumenthal - Der Komponist und Pianist Xaver Scharwenka,
    rückseitig signiert 1904


    Der ursprüngliche Verlag, aus dem der Verlag Hermann Leiser hervorging, war der von Louis Blumenthal. Er hatte seinen Sitz in der Leipzigerstr. 38. Das ist in Berlin-Mitte in der Nähe vom Potsdamer Platz und ca. 2 km vom Reichstag entfernt. Wann er gegründet wurde, weiß ich nicht. Die Beispiele, die ich kenne, sind frühestens von 1904 wie oben. und alle von der Nummerierung her im 1000er bis zum 5000er Bereich. Die niedrigste mir bekannte Nummer ist 1199. Diese Karte wurde "erst" 1910 signiert. Ich vermute, dass sie eher erschienen ist. Oder sind die Nummern nicht fortlaufend, sondern zufällig verteilt worden? Das würde in unser Computer-Zeitalter passen, kommt mir für damalige Zeiten aber unwahrscheinlich vor. Allerdings gibt es später beim Verlag Hermann Leiser auch manche Ungereimtheiten in der Nummernabfolge.


    1199 Blumenthal, Margarethe (Arndt-)Ober, signiert 1910

    Die höchste Nummer auf einer Louis Blumenthal-Karte, die ich gefunden habe, ist die 6003. Zeigen kann ich hier nur die Nummer 5000. Sie zeigt den Bass Hans Bachmann als Falstaff. Er sang von 1897 bis 1918 an der Berliner Hofoper.


    5000 Blumenthal: Hans Bachmann als Falstaff

    Die 6003 befindet sich auf einer Karte des Operettensängers und Schauspielers Heinrich Peer in einer Rolle aus der Operette "Der fidele Bauer" von Heinrich Fall. Sie wurde 1907 uraufgeführt. Zu diesem Zeitpunkt muss es den Verlag Louis Blumenthal also noch gegeben haben. Die Karte ist kopiergeschützt und kann hier besichtigt werden:  FLICKR


    Hier ein schönes signiertes Foto von Frieda Hempel:

    3012 Blumenthal - Frieda Hempel als Susanne in Figaros Hochzeit

    Mit der Nummer 3124 erschien ein Portrait der Sängerin Sigrid Arnoldson. Sie sang von 1907 - 1909 regelmäßig an der Dredner Hofoper und trat bis 1911 in Deutschland und Österreich in Gastspielen auf.


    3124 Blumenthal - Sigrid Arnoldson


    Auch aus dem Bereich der Operette wurden Künstlerportraits veröffentlicht. Hier ein Bild mit Arnold Rieck und Emmy Wehlen aus einer unbekannten Operette im Thalia-Theater in Berlin.


    2986 Blumenthal: Arnold Rieck und Emmy Wehlen

    Ich vermute, dass die ganzen hier gezeigten Blumenthal-Karten aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts stammen.

    Eine Spezialität von Blumenthal/Leiser waren Fotos von Bühnenaufführungen. Dafür wurden ambitionierte und qualitätvolle Fotografen wie Zander & Labisch oder Becker & Maass beauftragt.

    3133 Blumenthal: Aus dem zeitgenössischen Theaterstück "Panne"


    Hier ein Bild aus dem Theaterstück "Die Rabensteinerin" von Ernst von Wildenbruch (1845-1909). Es hatte 1907 oder 1908 Premiere. Der Schauspieler und (ab 1912) Opernsänger Waldemar Staegemann ist auf vielen Karten der ersten Jahre des Jahrhunderts abgebildet. Nuscha Butze (1860-1913) war ab ca. 1903 am Königlichen Hoftheater in Berlin engagiert, nachdem sie selbst ein paar Jahre ein Theater geleitet hatte. Ich schätze, dass es sich bei dem Foto um die Uraufführungsbesetzung handelt.


    2894 Blumenthal: Waldemar Staegemann und Nuscha Butze in "Die Rabensteinerin"


    Zuletzt noch zwei Bilder des Baritons Baptist Hoffmann, der von 1897 bis 1919 an der Berliner Hofoper sang.

    2620 Blumenthal: Baptist Hoffmann (1864-1937)

    3079 Blumenthal: Baptist Hoffmann als Telramund in "Lohengrin"

    Und hier ist die gleiche Karte noch einmal signiert: leider nicht mit Datumsangabe, so dass die zeitliche Einordnung weiterhin vage bleibt.

    3079 Blumenthal: Baptist Hoffmann signiert

    (wird fortgesetzt)









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    Eine kurze Zeitlang, als Hermann Leiser den Verlag Louis Blumenthal übernahm, erschienen die Karten mit der Aufschrift "Verlag von Hermann Leiser, vormals Louis Blumenthal". Von diesen Karten habe ich nur einige wenige gefunden, und vermutlich gab es nur eine kurze Übergangszeit und es wurde bald nur noch der Name des neuen Inhabers verwendet.

    Das erste Beispiel zeigt den Pianisten Severin Eisenberger (1879-1945). Es trägt keine Nummer



    Severin Eisenberger, Photo von Becker & Maass,
    Verlag Hermann Leiser, vorm. Louis Blumenthal, ohne Nummer


    Das zweite Bild zeigt die Sängerin Elena Gerhardt (1883-1961) und trägt die Nummer 1249 (blass zu lesen unter dem Wort "vorm.." unten links.



    Elena Gerhardt, Verlag Hermann Leiser vormals Louis Blumenthal Nr. 1249

    Hier noch eine dritte Karte. Sie zeigt den Tenor Wilhelm Grüning. Er sang von 1898 bis 1911 an der Berliner Hofoper. Er posiert hier hoch zu Pferd als Rienzi. Es war zwar durchaus in Opernhäusern üblich (auch in der Anfangszeit bei den Bayreuther Festspielen), dass Pferde auf die Bühne geholt wurden. Ob diese Karte aus einer Opernproduktion stammt oder "einfach so" ohne Anlass als "Starfoto" gemacht wurde, ist mir nicht bekannt.


    Wilhelm Grüning als Rienzi, Verlag Hermann Leiser vorm. Blumenthal Nr. 3377

    Zuletzt noch eine Karte mit dem Tenor Ernst Kraus in der Oper "Josef in Ägypten" von Mehul.


    Ernst Kraus, Nr. 3372 Verlag Hermann Leiser vormals Louis Blumenthal


    Nicht immer liegen die Dinge so einfach, dass man eine Verlagsangabe und eine Kartennummer findet. Es gibt Karten aus dem Verlag Hermann Leiser, wo die gleiche Karte ohne Nummer oder mit Nummer veröffentlicht wurde. Manche Nummern sind nicht lesbar, und es gibt auch Karten, die von der Aufmachung her sehr an Karten aus dem Verlag Leiser/Blumenthal erinnern, aber nur eine Nummer und keine Verlagsangabe tragen.


    Hier sind zwei Bilder ohne Verlagsangabe mit dem Schauspieler Rudolf Christians (1869-1921). Er war ab 1898 am Berliner Hofschauspiel engagiert. Wie lang das Engagement dauerte, ist mir nicht bekannt. Er drehte auch einige Stummfilme und ging einige Jahre darauf bis zum 1. Weltkrieg nach Amerika.

    Rudolf Christians, Der Schwur der Treue, Karte ohne Verlagsangabe Nr. 1029

    Rudolf Christians, Weh dem, der lügt (Theaterstück von Grillparzer),
    Karte ohne Verlagsangabe Nr. 2095

    Hier noch eine Karte ohne Verlagsangabe mit einer 3000er Nummer. Sie zeigt den Schauspieler und späteren Lustspielautor Franz Arnold (1878-1960) als jungen Mann. Er wurde 1907 ans Friedrich-Wilhelmstädtische Theater nach Berlin engagiert.


    Franz Arnold, Karte ohne Verlag, Nr. 3209


    Ein weiterer Berliner Ansichtskartenverlag, der auch im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts aktiv war, ist der Verlag Gustav Mandel.In ihm erschienen hauptsächlich Ansichtskarten von Orten, es gab jedoch auch eine nummerierte Serie mit Schauspielern und Opernsängern. Hier ein Beispiel mit Juluius Lieban als David und Marie Götze als Magdalene aus den Meistersingern. Beide Sänger sangen in Berlin an der Hofoper, und ich würde das Bild zeitlich zwischen 1906 und 1912 einordnen.


    Julius Lieban und Marie Götze in Meistersinger, Verlag Gustav Mandel Nr. 1028

    Mit der gleichen Darstellerin und in etwa aus der gleichen Zeit hier noch ein Bild aus dem Verlag Louis Blumenthal aus der Oper "Pique Dame".



    Wilhelm Grüning und Marie Götze in Pique Dame (von Tschaikowsky)
    Blumenthal Nr. 2832

    Damit beende ich erst einmal das Kapitel des Verlages Louis Blumenthal und werde mich im folgenden dem Verlag Hermann Leiser zuwenden.


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    Ab dem 24.5. 18 werde ich diesen Blog auf "privat" umstellen, da ich Angst habe, mit den neuen Datenschutzbestimmungen nicht zurecht zu kommen. Ab dann können nur noch von mir eingeladene Leser auf diesen Blog und seine alten und neuen Artikel zugreifen. Ich nehme gerne Anfragen dafür unter recordplayer78@gmail.com entgegen. ABER:

    Dieser Blog wird sowieso nur von sehr wenigen gelesen. Es kann sein, dass ich ihn wegen mangelnder Resonanz  ohnehin nicht weiter führe. Als Ersatz habe ich mir überlegt, dass ich meine Sängerbilder und anderes und evtl. auch alle alten Inhalte dieses Blogs auf FLICKR hochlade und dort präsentiere. Ich habe das in den letzten Tagen einmal ausprobiert und finde es ganz vielversprechend. Es wird zwar noch eine Weile dauern, bis mein "Schaufenster" richtig schön eingerichtet ist, aber es könnte sich lohnen, den folgenden Link zu speichern und ab und zu einmal vorbei zu schauen:

    https://www.flickr.com/people/140061259@N06/


    Ich werde versuchen, irgendwo Werbung für diese Bilder zu machen, damit ich auch weiterhin gefunden werde. Und für die Artikel über Grete Stückgold und Charlotte Viereck suche ich noch irgendwo ein Plätzchen im öffentlichen Raum. Vielleicht kann man über Wikipedia Commons Texte hochladen, ohne seinen echten Namen angeben zu müssen, ich weiß es noch nicht. Für Tipps bin ich dankbar!


    Noch was zum Anschauen:

    Im Jahr 1916 gab es an der Berliner Hofoper eine Neuinszenierung der "Verkauften Braut" von Smetana. Ein Zeitungsartikel gibt die Besetzung an:


     Bei "Herrn Bischoff" handelt es sich eventuell um den Tenor Fritz Bischoff, der 1882 geboren wurde (Todesdatum unbekannt), aber eigentlich mehr als Wagnertenor bekannt wurde. Zur Auswahl steht auch noch der Wagner-Bariton Johannes Bischoff (1874-1936). Da die Oper aber eigentlich keine heldischen Partien erfordert, könnte es sich auch noch um einen dritten Sänger mit Namen Bischoff handeln, der nicht im Sängerlexikon von Kutsch/Riemens steht. Alle anderen Teilnehmer sind bekannt.




    Das gleiche Foto erschien bei Leiser unter der Nummer 9585 als Karte.

    Ein anderes Bild aus der Inszenierung:


    Verkaufte Braut, NPG Nr. 1162-3

    Vermutlich wurde die tenorale Hauptrolle des Hans von Gustav Bergmann verkörpert - ein Tenor, über den ich keine Informationen finden konnte (aber noch einige andere Bilder, die ihn zeigen).



    Verkaufte Braut Leiser Nr. 9562


    Zuletzt noch zwei weiter Bilder vom Verlag NPG. Mindestens ein weiteres Bild (1162-1) wird es noch gegeben haben.


    NPG Nr. 1162-2, vermutlich Gustav Bergmann und Lola Artot de Padilla

    NPG Nr. 1162-4





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